Noch ist der Absturz des SSV Ulm rechnerisch nicht besiegelt. Doch nach dem deutlichen Rückschlag in Rostock wirkt die Hoffnung auf den Ligaverbleib nur noch wie eine ferne Möglichkeit. An der Ostsee zeigte der Auftritt der Spatzen einmal mehr, warum die Lage im Saisonendspurt so prekär ist.
Früher Rückstand, später Einbruch
Für den SSV Ulm wurde die lange Reise an die Küste zu einem weiteren schweren Dämpfer im Kampf um den Klassenerhalt. Bei Hansa Rostock kassierten die Spatzen eine klare Niederlage, die den Druck im Tabellenkeller weiter erhöht und die Perspektive für die letzten Wochen der Saison noch düsterer erscheinen lässt.
Zwar lebt die rechnerische Chance weiterhin, doch der Blick auf das Gesamtbild spricht eine andere Sprache. Zu oft ließ Ulm zuletzt Gelegenheiten ungenutzt, zu selten gelang es der Mannschaft, in den entscheidenden Momenten Stabilität und Konsequenz auf den Platz zu bringen. Dass der Rückstand auf das rettende Ufer trotz des erneuten Fehltritts nicht noch größer geworden ist, hat vor allem mit den Patzern der direkten Konkurrenz zu tun.
Rostock setzt früh die Akzente
Im Ostsee Stadion übernahm die Heimmannschaft von Beginn an die Kontrolle. Rostock trat präsenter auf, hatte mehr Zugriff im Mittelfeld und zwang Ulm früh in die Defensive. Die Gäste fanden zunächst kaum Entlastung und gerieten nach einer dominanten Anfangsphase der Hausherren verdient in Rückstand.
Noch vor der Pause legte Rostock nach und nutzte seine Möglichkeiten mit einer Effizienz, die Ulm selbst über weite Strecken abging. Besonders bitter aus Sicht der Gäste: In einer Phase, in der sich die Mannschaft etwas besser in die Partie gearbeitet hatte, schlug der Gegner erneut zu. Damit wurde aus einer schwierigen Ausgangslage bereits vor dem Seitenwechsel eine echte Hypothek.
Das kurze Aufbäumen ohne Wirkung
Nach dem Wiederanpfiff keimte kurz Hoffnung auf. Ulm kam mit mehr Energie aus der Kabine, verkürzte schnell und brachte für wenige Minuten etwas Spannung zurück in die Begegnung. Genau in dieser Phase hätte das Spiel kippen können. Doch der mögliche Wendepunkt blieb aus. Statt neuen Mutes folgte der nächste Rückschlag beinahe umgehend. Rostock stellte den alten Abstand rasch wieder her und nahm den Gästen damit nicht nur die Dynamik, sondern auch einen großen Teil ihres Glaubens an eine Wende. In der Schlussphase wurde die Niederlage dann noch deutlicher, auch wenn der Spielverlauf das Endergebnis nur bedingt widerspiegelte.
Dotchev zwischen Frust und Pflichtgefühl
Bei Ulms Trainer Pavel Dotchev war nach der Partie spürbar, wie belastend die wiederkehrenden Rückschläge inzwischen sind. „Das Spiel ist am Ende in die falsche Richtung gelaufen“, sagte er und machte deutlich, wie schwer die Lage inzwischen wiegt. Seine Mannschaft habe mehrere Möglichkeiten gehabt, diese aber erneut nicht konsequent genutzt.
Auch mit Blick auf die Höhe des Resultats wollte Dotchev das Spiel differenziert bewertet wissen. „Ich denke, dass das Ergebnis viel zu hoch ausgefallen ist“, erklärte der Trainer. Vor allem die mangelnde Konsequenz vor dem gegnerischen Tor und einige unglückliche Momente seien entscheidend gewesen. Nach dem zwischenzeitlichen Anschluss habe der schnelle nächste Gegentreffer der Mannschaft sichtbar den Glauben genommen. Sein Blick ging dennoch direkt nach vorn. Das kommende Heimspiel bezeichnete er sinngemäß als Pflichtaufgabe. Erst ein Sieg könne überhaupt dafür sorgen, dass die minimale Hoffnung bestehen bleibt.
Rostock nutzt seine Chancen konsequent
Auf der anderen Seite durfte sich Hansa über einen verdienten Erfolg freuen, auch wenn Trainer Daniel Brinkmann das Ergebnis in dieser Klarheit selbst als etwas zu deutlich einordnete. „Das Ergebnis war in der Höhe nicht in Ordnung“, sagte Rostocks Coach, erkannte aber zugleich einen verdienten Sieg seiner Mannschaft an. Entscheidend war vor allem die Kaltschnäuzigkeit der Gastgeber. Während Ulm an seinen eigenen Möglichkeiten verzweifelte, nutzte Rostock die entscheidenden Szenen mit deutlich mehr Zielstrebigkeit. Genau darin lag am Ende der Unterschied zwischen beiden Teams.
Die Tabelle lässt kaum noch Raum für Träume
Die Lage für Ulm wird damit immer ernster. Rechnerisch ist der Verbleib in der Liga zwar noch möglich, sportlich aber spricht inzwischen nur noch wenig für eine Rettung. Der Rückstand ist weiterhin beträchtlich, die Zahl der verbleibenden Spiele überschaubar, und vor allem die Auftritte selbst liefern kaum Argumente für eine späte Wende.
So bleibt vorerst nur die Pflicht, das Nötigste zu tun und das nächste Spiel zu gewinnen. Alles andere liegt längst nicht mehr allein in Ulmer Hand. Die Partie in Rostock hat deshalb nicht nur Punkte gekostet, sondern wohl auch einen weiteren Teil jener Zuversicht, die man im Abstiegskampf so dringend braucht.
