In der 3. Liga nimmt die Debatte um den Videobeweis (VAR) Fahrt auf. Trainer, Spieler und Funktionäre machen Druck, der DFB bremst mit Verweis auf Regeln, fehlende TV-Perspektiven und hohen Ausgaben. Ein „Light-VAR“ nach Aachener Vorbild sorgt für Zündstoff, bleibt beim Verband aber vorerst nur eine Idee.
Hintergrund: Fehlpfiffe heizen die Diskussion an
Nach einigen strittigen Entscheidungen ist die VAR-Frage in Liga3 neu entfacht. MSV-Coach Dietmar Hirsch und Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz befürworten eine Einführung. Auch von der Spielerseite kommt Rückenwind: Aachens Mittelfeldmann Bentley Baxter Bahn warb nach dem emotionalen 2:2 in Rostock für technische Hilfe. Auslöser: Aus Aachener Sicht habe Schiedsrichter Daniel Bartnitzki mehrfach daneben gelegen. Bahns pragmatischer Vorschlag: ein kurzer Check der TV-Bilder auf einem Tablet, ein „preiswerter Light-VAR“ ohne komplettes Hightech-Setup.
DFB bremst: IFAB-Vorgaben lassen keine Alleingänge zu
Gegenüber der „Aachener Zeitung“ verweist der DFB darauf, dass neue Modelle mit IFAB und FIFA abgestimmt sein müssen. Nationale Alleingänge sind ausgeschlossen, auch ein iPad-basiertes „Light-VAR“ wäre nur bei internationaler Freigabe denkbar. Der Austausch läuft: Neben Verband, Schiri GmbH, Ausschuss 3. Liga und Klubs liegt bereits ein älteres Meinungsbild vor, damals lehnten die Vereine den VAR ab.
Kostenfaktor: Rund 20.000 Euro pro Spiel
Finanziell bleibt der VAR ein Schwergewicht. Bei elf Millionen Euro Grundkosten plus Personalkosten summiert sich das in Bundesliga und 2. Bundesliga rechnerisch auf etwa 20.000 Euro je Partie. In den oberen Ligen wird das gestaffelt getragen; in der 3. Liga wäre ein ähnliches Modell für viele Klubs kaum zu stemmen. Zusätzlich bräuchte es mehr qualifizierte Video-Assistenten, ein weiterer Kostentreiber.
Markenkern und Fanakzeptanz: „purer Fußball“ in Gefahr?
Der Verband schützt auch das Profil der 3. Liga. Viele schätzen den Wettbewerb als näher an der Basis, weniger durchinszeniert, kurz: „purer Fußball“. Ein VAR könnte, so die Sorge, Emotionen, Spielfluss und Stadionerlebnis verändern. Paradox: Während in Liga eins und zwei der Videobeweis oft als Stimmungskiller gilt, fordern Akteure in Liga3 ihn aus Gerechtigkeitsgründen. Der DFB ordnet das als nachvollziehbare Folge erlebter Fehlentscheidungen ein.
Technische Grenzen: Weniger Kameras, mehr Konfliktpotenzial
Das TV-Setup der 3. Liga bietet deutlich weniger Perspektiven als in den oberen Klassen. Damit droht ein Effekt, den niemand will: Selbst mit Video bleibt manches unklar und die Enttäuschung wäre womöglich größer, weil die Erwartungen an die „Technik“ steigen.
Ausblick: Februar wird zum Prüfstein
Auf der Managertagung im Februar soll das Stimmungsbild aktualisiert werden. Dann zeigt sich, ob die Klubs Richtung VAR gehen, oder ob ein abgespecktes, IFAB-konformes Modell Chancen hat. Klar ist: Zwischen Emotion, Kosten und Gerechtigkeit muss die 3. Liga ihren eigenen Weg finden.
