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Vier Teams, ein Ziel: Wer holt sich die Herbstmeisterschaft in der 3. Liga?

Die Herbstmeisterschaft ist ein inoffizieller Titel im deutschen Fußball. Nach 19 Spieltagen wird der Spitzenreiter einer Liga als „Herbstmeister“ bezeichnet. In der 3. Liga hat sich die Tabellenführung vor Weihnachten häufig als gutes Omen erwiesen. Seit Einführung der eingleisigen 3. Liga im Jahr 2008 stiegen 14 von 16 Herbstmeistern später in die 2. Bundesliga auf. Die letzte Saison 2024/25 zeigte jedoch, dass man sich auf diesem Erfolg nicht ausruhen darf: Der damalige Herbstmeister Jahn Regensburg musste über die Relegation gehen. Das macht das aktuelle Rennen besonders spannend.

Ausgangslage vor dem 19. Spieltag

Nach 18 Spieltagen der Saison 2025/26 liegt die Spitze eng beieinander. Energie Cottbus führt mit 35 Punkten die Tabelle an, dicht gefolgt vom MSV Duisburg mit 33 Punkten sowie dem SC Verl und dem VfL Osnabrück mit jeweils 32 Punkten. Hansa Rostock und Rot-Weiss Essen folgen mit 31 Punkten. Die „Löwen” folgen mit 30 Punkten. Danach kommen die TSG Hoffenheim II, Wehen Wiesbaden und Waldhof Mannheim mit jeweils 28 Punkten. Das Mittelfeld ist so dicht, dass zwischen Rang 2 und Rang 10 nur fünf Punkte liegen.

Es ist der engste Hinrundenabschluss seit der Saison 2014/15: Gleich vier Teams können am letzten Spieltag Herbstmeister werden. Cottbus hat dabei die besten Karten, benötigt gegen Regensburg aber unbedingt einen Sieg. Duisburg, Verl und Osnabrück hoffen auf einen Ausrutscher des Spitzenreiters und müssen ihre eigenen Spiele gewinnen.

Die Kandidaten im Detail

Energie Cottbus – Offensivstärke, aber zuletzt wackelig

MerkmalDaten/Anmerkungen
Tabellenplatz (Stand 18 Spiele)1. Platz, 11 Siege, 35 Punkte
Tore/Bilanz40:31 Tore (drittbeste Offensive); zu Hause 24 Tore, auswärts 16 Tore
SchlüsselspielerTolcay Ciğerci führt die Torschützenliste mit 12 Treffern und 6 Assists an; Sturmpartner Erik Engelhardt folgt mit 11 Toren.
Aktuelle FormSiegserie im November (u. a. 3:2 gegen Duisburg), dann 1:3‑Niederlage bei Wehen Wiesbaden.
VoraussetzungenCottbus ist bei einem Heimsieg gegen Jahn Regensburg aus eigener Kraft Herbstmeister; bei Remis oder Niederlage droht der Verlust der Spitze, weil die Tor­differenz schlechter als die der Verfolger ist.

In dieser Saison knüpft Cottbus an die starke Offensive der vergangenen Spielzeit an. Trainer Claus-Dieter „Pele” Wollitz lässt ein hohes Pressing spielen, und das Mittelfeld um Tolcay Ciğerci ist torgefährlich und torgewaltig. Allerdings zeigte die 1:3-Niederlage in Wiesbaden Schwächen. Die Lausitzer verteidigen oft zu hoch, was zu Konteranfälligkeit führt. Das späte Gegentor gegen Duisburg (Endstand 3:2) und die 0:3-Niederlage gegen 1860 München im November verdeutlichen die Defensivprobleme.

Für die Herbstmeisterschaft gilt: Holt Cottbus drei Punkte gegen Regensburg, ist der Titel sicher. Bei einem Unentschieden könnten Duisburg, Verl und Osnabrück vorbeiziehen, wenn sie gleichzeitig ihre Partien gewinnen.

MSV Duisburg – Minimalismus und durchwachsene Form

MerkmalDaten/Anmerkungen
Tabellenplatz2. Platz, 9 Siege, 6 Remis, 3 Niederlagen, 33 Punkte
Tore/Bilanz32:22 Tore (beste Abwehr der Topteams)
FormNur zwei Siege in den letzten zehn Ligaspielen; zuletzt 0:0 gegen Erzgebirge Aue.
SchlüsselspielerOffensivakteur Florian Krüger und Joker Max Dittgen; Abwehrchef Joshua Bitter kehrte nach Gelbsperre zurück.
VoraussetzungenDuisburg muss bei Viktoria Köln gewinnen und hoffen, dass Cottbus nicht siegt; bei Punktgleichheit reicht die bessere Tor­differenz aus.

Die „Zebras“ spielen unter Dietmar Hirsch sehr pragmatisch. Eine stabile Defensive und schnelles Umschalten sind Markenzeichen, weshalb der MSV die wenigsten Gegentreffer aller Kandidaten zulässt. Doch offensiv fehlte zuletzt die Durchschlagskraft: Gegen Aue reichte es trotz Feldvorteilen nur zu einem torlosen Remis; in Cottbus kassierte man in der Schlussphase das 2:3. Beim Auswärtsspiel in Köln müssen die Meidericher mutiger agieren. Nur mit einem Sieg und einem Ausrutscher von Cottbus kann Duisburg Herbstmeister werden. Ein weiterer Punktverlust könnte sie sogar auf Rang 4 zurückwerfen.

SC Verl – die Überraschung mit der besten Offensive

MerkmalDaten/Anmerkungen
Tabellenplatz3. Platz, 8 Siege, 8 Remis, nur zwei Niederlagen, 32 Punkte
Tore/Bilanz42:26 Tore – beste Offensive der Liga
FormIn den letzten sieben Spielen ungeschlagen (3 Siege, 4 Unentschieden) mit 19:7 Toren.
SchlüsselspielerSpielmacher Berkan Taz (8 Tore, 8 Assists); Stürmer Alessio Besio (5 Tore, 6 Assists); dribbelstarker Außen Timur Gayret (4 Tore, 6 Assists).
VoraussetzungenVerl benötigt einen Auswärtssieg bei 1860 München und muss darauf hoffen, dass Cottbus und Duisburg nicht gewinnen

Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga im Jahr 2020 etablierte sich der SC Verl als Feingeist unter den Drittligisten. Trainer Tobias Strobl setzt auf frühes Pressing und Ballbesitz. Das zahlt sich aus: Mit 42 Toren stellen die Ostwestfalen die beste Offensive. Das kreative Mittelfeld um Berkan Taz beliefert die Stürmer Dominik Steczyk und Jonas Arweiler. Gleichzeitig lässt Verl kaum Großchancen zu. In 18 Spielen kassierte man nur zwei Niederlagen und blieb zuletzt sieben Mal in Folge ungeschlagen.

Am 19. Spieltag wartet jedoch ein schweres Gastspiel bei 1860 München. Die „Löwen“ haben vier Siege in Serie, während Verl auswärts erst zweimal verlor. Sollte Verl siegen und Cottbus sowie Duisburg patzen, wäre der Verein aus Ostwestfalen sensationell Herbstmeister.

VfL Osnabrück – Rückkehrer mit Aufwind

MerkmalDaten/Anmerkungen
Tabellenplatz4. Platz, 9 Siege, 5 Remis, 4 Niederlagen, 32 Punkte
Auswärtsstärke17 Auswärtspunkte – beste Auswärtsbilanz der Liga.
FormSchoss sich mit einem 5:3‑Auswärtssieg bei SSV Ulm an die Spitzengruppe heran.
SchlüsselspielerFlügelflitzer Kai Pröger und Rechtsverteidiger Bashkim Ajdini; Torwart Lukas Jonsson mit den meisten „Zu‑Null“-Spielen (neun) in der Liga.
VoraussetzungenOsnabrück muss sein Heimspiel gegen VfB Stuttgart II gewinnen und auf Patzer der anderen drei Kandidaten hoffen.

Der VfL Osnabrück kehrte im Sommer 2025 nach nur einer Saison in der 2. Bundesliga in die 3. Liga zurück. Trainer Timo Schultz hat die „Lila-Weißen” stabilisiert. Die Mannschaft kassiert wenige Tore und holt besonders auswärts viele Punkte. Den Brustlöser brachte der spektakuläre 5:3-Erfolg in Ulm am 18. Spieltag. Damit rückten die Niedersachsen punktgleich mit Verl auf Platz 4 vor und profitierten vom 1:3-Aussetzer des Tabellenführers Cottbus sowie dem 0:0 der Duisburger.

In der Offensive mangelt es manchmal an Ideen, weshalb Osnabrück mit 25:19 Toren die schwächste Tordifferenz der vier Titelkandidaten aufweist. Im Angriff wird viel über die schnellen Außen Kai Pröger und Luc Ihorst gespielt, während Lars Kehl aus dem Mittelfeld mit vier Toren und sechs Assists als Topscorer führt. Für die Herbstmeisterschaft benötigt Osnabrück neben einem Sieg gegen Stuttgart II die Hilfe der Konkurrenz, eine Aufgabe, die an der „Bremer Brücke” trotzdem für Euphorie sorgt.

Verfolger ohne Titelchance

Hansa Rostock und Rot-Weiss Essen liegen nur vier Punkte hinter der Tabellenspitze, können aber nicht mehr Herbstmeister werden. Selbst wenn Cottbus verliert, bleiben den beiden Nordklubs bei maximal 34 Punkten ein Zähler Rückstand. Rostock ist seit neun Spielen ungeschlagen, hat dank der zweitbesten Defensive (18 Gegentore) den Anschluss gewahrt, aber zu viele Unentschieden gespielt. Essen spielte zuletzt zweimal unentschieden.

Im Windschatten lauert auch 1860 München mit 30 Punkten. Die Münchner haben vier Siege in Serie und könnten mit einem Heimsieg gegen Verl sogar auf Rang drei überwintern. Dennoch würde selbst ein Kantersieg nicht zum inoffiziellen Titel reichen.

Warum der Herbstmeister wichtig ist

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Der Titel des Herbstmeisters in der 3. Liga ist kein Selbstzweck. Seit 2008 schafften 14 von 16 Herbstmeistern den Sprung in die 2. Bundesliga. Acht von ihnen konnten ihre Spitzenposition sogar bis zum Saisonende behaupten. Statistisch gesehen hat der Herbstmeister also eine 87,5-prozentige Chance auf den Aufstieg.

Dennoch gibt es warnende Beispiele: So rutschten Osnabrück (2012/13) und Duisburg (2019/20) als Herbstmeister am Ende aus den Aufstiegsplätzen. In beiden Fällen führten Leistungseinbrüche in der Rückrunde dazu, dass Konkurrenten vorbeizogen. Die Herbstmeisterschaft ist also zwar ein psychologischer Schub, aber kein Garant.

Fazit: Vier Wege zum Titel

Die 3. Liga 2025/26 erlebt vor Weihnachten einen seltenen Vierkampf um die Herbst­meisterschaft. Jede Mannschaft hat Stärken und Schwächen:

  • Energie Cottbus hat die beste Ausgangslage und mit Ciğerci/Engelhardt das gefährlichste Duo der Liga. Ein Sieg reicht zum Titel, doch die Defensive wirkte zuletzt anfällig.

  • MSV Duisburg überzeugt defensiv und kann bei Punktgleichheit dank besserer Tor­differenz vorbeiziehen. Die Formkrise mit nur zwei Siegen aus zehn Spielen lässt aber Zweifel.

  • SC Verl ist die Überraschung der Saison: nur zwei Niederlagen, die meisten Tore und seit sieben Spielen ungeschlagen. Mit einem Auswärtssieg in München und Schützenhilfe könnte der Klub erstmals Herbstmeister werden.

  • VfL Osnabrück kommt mit dem Rückenwind des 5:3‑Auswärtssieges in Ulm. Die Lila‑Weißen haben die beste Auswärtsbilanz, müssen aber auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen.

Die übrigen Verfolger (Hansa Rostock, Rot-Weiss Essen und 1860 München) spielen zwar eine starke Hinrunde, können dem Spitzenreiter aber nicht mehr gefährlich werden. Unabhängig davon, wer am 19. Dezember die Tabelle anführt, wird das Rennen um den Aufstieg angesichts der geringen Punktabstände noch lange offen bleiben. Die Herbstmeisterschaft ist und bleibt ein begehrtes Etappenziel, denn sie sendet ein Signal an die Konkurrenz und erhöht die Chancen auf die Rückkehr in die 2. Bundesliga.

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