Der Druck wächst beim TSV 1860 München. Nach einer Phase ohne Sieg ist die Euphorie rund um einen möglichen Aufstieg merklich verflogen. Präsident Gernot Mang findet klare Worte zur sportlichen Entwicklung, zur Personalpolitik und zu den Zielen für die kommenden Monate.
Ernüchterung statt Aufstiegsträume
Die jüngsten Ergebnisse haben Spuren hinterlassen. Während Trainer Markus Kauczinski das Thema Aufstieg bereits beiseitegeschoben hat, schlägt auch Präsident Gernot Mang einen realistischen Ton an. Angesichts der überschaubaren Punkteausbeute in den vergangenen Partien sei es kaum angebracht, weiter von höheren Zielen zu sprechen.
„Ich habe mir deutlich mehr erwartet“, sagt Mang mit Blick auf die letzten Wochen gegenüber dem „Münchener Merkur„. Vor allem in puncto Einsatzbereitschaft und mentaler Widerstandskraft vermisse er jene Eigenschaften, die eine Spitzenmannschaft auszeichnen. Einzelne Punktgewinne gegen ambitionierte Gegner seien akzeptabel, doch das Auftreten in anderen Begegnungen habe ihn irritiert. Besonders nach Rückschlägen fehle es an Stabilität, an Durchsetzungsvermögen in Zweikämpfen und am unbedingten Willen, Spiele noch zu drehen.
Analyse statt Resignation
Trotz der Enttäuschung will Mang nichts von Resignation wissen. Die Saison sei noch lange nicht entschieden, betont er. Jetzt gehe es darum, die Ursachen für die Schwächephase klar zu benennen und gezielt gegenzusteuern. Zufriedenheit mit dem Status quo komme nicht infrage. Gleichzeitig stellt er sich demonstrativ hinter das Trainerteam.
Die Löwen sollen die verbleibenden Spiele nicht als Pflichtprogramm begreifen, sondern als Chance, ein anderes Gesicht zu zeigen. Es gehe darum, die eigenen Ansprüche wieder sichtbar zu machen, Woche für Woche.
Vertragssituation darf kein Alibi sein
Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor sind mehrere auslaufende Verträge. Für Mang darf das jedoch keine Rolle spielen. Wer das Trikot des TSV 1860 München trage, müsse sich unabhängig von seiner Zukunftsplanung voll einbringen. Entscheidend sei die Identifikation mit dem Verein.
„Wer hier bleiben möchte, muss zeigen, dass er für dieses Wappen kämpft“, macht der Präsident deutlich. Vertragsfragen hätten hinter der sportlichen Leistung zurückzustehen.
Klare Vision, klare Liga-Ziele
Sportlich verortet Mang die Münchner in der Spitzengruppe der 3. Liga. Perspektivisch soll der Weg zurück in die 2. Bundesliga führen. Dass der aktuelle Tabellenstand diesem Anspruch nicht entspricht, ist ihm bewusst. „Es gibt keinen Grund, jetzt alles abzuschreiben. Ich erwarte eine deutliche Leistungssteigerung in den restlichen 15 Ligaspielen und den zwei Pokalspielen, die wir noch absolvieren wollen„, so Mang.
Bewusste Entscheidung für die Jugend
Auch die Diskussion um mögliche Winter-Neuzugänge weist Mang entschieden zurück. Die Entscheidung, nicht noch einmal personell nachzulegen, sei bewusst gefallen. Der Klub setze auf sein Nachwuchsleistungszentrum und auf die Entwicklung eigener Talente. Er sieht darin keinen Widerspruch, sondern ein langfristiges Konzept.
„Junge Spieler müssen Wettkampfpraxis bekommen. Nur so merken sie, was ihnen noch fehlt. Wenn wir ihnen diese Chancen nicht geben, passt auch unser gesamtes Modell nicht mehr.“
Saisonziele bleiben bestehen
Von einem lustlosen Auslaufen der Spielzeit will der Präsident nichts wissen. Neben der Liga rücken andere Ziele in den Fokus. Die Qualifikation für den DFB-Pokal sowie der Gewinn des bayerischen Toto-Pokals haben für den Verein große Bedeutung. Entsprechend fordert Mang in den verbleibenden Partien eine deutliche Leistungssteigerung.
Kein radikaler Umbruch geplant
Spekulationen über einen erneuten personellen Kahlschlag im Sommer erteilt Mang eine Absage. „Diese Gefahr sehe ich überhaupt nicht. Wir wollen keinen großen Umbruch, sondern ein stabiles Gerüst. Klar ist: Wir brauchen eine bessere Ausgewogenheit und mehr Geschwindigkeit im Kader. Das ist eine Aufgabe für die sportliche Leitung.“
Der Präsident blickt trotz der aktuellen Delle vorsichtig optimistisch nach vorn. Mit einer klaren sportlichen Idee und einer durchdachten Mischung aus Talenten und Routiniers soll der nächste Anlauf strukturierter erfolgen.
