In Ulm sorgt ein politischer Vorstoß für Diskussionen zwischen Rathaus und Fankurve. Die SPD im Gemeinderat möchte Anhänger des SSV Ulm 1846 Fußball in die Verantwortung nehmen, wenn es um Aufkleber im Stadtbild geht. Der Vorschlag: Mithelfen beim Entfernen der Sticker, die vielerorts an Laternen, Ampeln und Haltestellen kleben. Während die Stadt prüft, reagiert die Szene im Netz teils gereizt.
Kritik aus dem Gemeinderat
Immer wieder fallen sie ins Auge, die Vereinsaufkleber, die sich im öffentlichen Raum finden. Besonders rund um zentrale Plätze und Verkehrsknotenpunkte sind es häufig Sticker mit Bezug zum SSV Ulm 1846 Fußball, die Masten, Schilder oder Wartehäuschen zieren. Für die SPD-Fraktion im Ulmer Gemeinderat ist das Maß inzwischen überschritten.
In einem Antrag an Oberbürgermeister Martin Ansbacher macht die Fraktion deutlich, dass aus ihrer Sicht zahlreiche Flächen überklebt worden seien, teilweise sogar so stark, dass Verkehrszeichen nur noch eingeschränkt erkennbar seien. Das beeinträchtige nicht nur das Stadtbild, sondern berühre auch Fragen der Sicherheit.
„Das muss nicht sein“
SPD-Fraktionschef Martin Rivoir betont dabei, dass seine Kritik nicht gegen den Verein als solchen gerichtet sei. Er selbst sei langjähriger Stadionbesucher und unterstütze das Team. Doch eine Vermüllung des öffentlichen Raums sei aus seiner Sicht nicht hinnehmbar. Wörtlich sagte er: „Aber dass man die Stadt in dieser Art und Weise verschmutzt, das muss nicht sein“, so der Politiker gegenüber dem „SWR“.
Die Sozialdemokraten schlagen deshalb vor, die Fans aktiv einzubinden. Konkret sollen sie sich an der städtischen Frühjahrsputzaktion „Let’s Putz“ beteiligen und dabei auch die eigenen Hinterlassenschaften beseitigen. Für Rivoir ist es eine Frage der Fairness. Es könne nicht Aufgabe der Allgemeinheit sein, für die Reinigungskosten aufzukommen, wenn die Aufkleber aus der Fanszene stammten.
Rolle des Fanprojekts
Ein möglicher Hebel könnte das Fanprojekt des Vereins sein, das unter anderem von der Stadt unterstützt wird. Nach dem Willen der SPD soll es die Aktion koordinieren und als Vermittler zwischen Stadtverwaltung und Anhängerschaft auftreten. Die Idee dahinter: Verantwortung übernehmen, statt nur zu feiern.
Ob und wie sich ein solcher Ansatz umsetzen lässt, ist jedoch offen. Die Stadt Ulm signalisiert grundsätzlich Zustimmung zu Initiativen, die für mehr Sauberkeit sorgen. Zugleich kündigte ein Sprecher an, zunächst prüfen zu wollen, in welchem Rahmen das Fanprojekt eingebunden werden könnte.
Reaktionen aus der Fanszene
Die emotionale Bindung an den Verein ist groß, und Kritik an der Fankultur wird schnell persönlich genommen. Dabei zeigt sich ein Spannungsfeld, das viele Städte kennen: Leidenschaft für den Klub auf der einen Seite, Ordnung und Sauberkeit im öffentlichen Raum auf der anderen. Die Frage ist, ob aus dem politischen Impuls ein gemeinsames Projekt entstehen kann oder ob die Fronten sich weiter verhärten.
Am Ende geht es nicht nur um Aufkleber, sondern um Verantwortung im urbanen Raum. Ob die Fans den Ball aufnehmen und sich tatsächlich an einer Putzaktion beteiligen, dürfte auch davon abhängen, wie respektvoll der Dialog in den kommenden Wochen geführt wird.
