Vor dem heutigen Auswärtsspiel in Großaspach gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart, blickt der SV Waldhof Mannheim in der 3. Liga trotz personeller Sorgen optimistisch auf die kommende Aufgabe. Mehr als 1.000 Waldhöfer haben sich bereits Tickets gesichert, weitere Karten sind online und an der Tageskasse erhältlich. Die Partie verspricht Spannung, sportlich wie emotional.
Personalsituation: Vier Gesperrte und weitere Ausfälle
Die Liste der Ausfälle ist lang. Gesperrt fehlen Janne Sietan, Niklas Hoffmann, Lukas Klünter sowie Terrence Boyd. Verletzungsbedingt stehen Jascha Brand und Sascha Voelcke nicht zur Verfügung. Zudem hat sich Tim Sechelmann im Training leicht verletzt, eine genaue Diagnose steht noch aus. Immerhin: Sportdirektor Gerhard Zuber kehrt auf die Bank zurück.
Besonders brisant ist der Ausfall der kompletten defensiven Zentrale. Zwei Innenverteidiger fehlen, dazu ein wichtiger Akteur im defensiven Mittelfeld. Luc Holtz ordnete die Situation sachlich ein: „Ist natürlich jetzt schon etwas kompliziert. Wer jetzt da in die Position reinrückt oder wie wir uns da aufstellen, das müssen wir heute noch mal kurz abklären.“ Klar ist: Die Umstellungen eröffnen anderen Spielern die Chance, sich ins Rampenlicht zu spielen.
Kurze Trainingswoche – viel Selbstvertrauen
Nach den intensiven Partien zuletzt blieb nur wenig Zeit zur Vorbereitung. Dennoch zeigt sich das Trainerteam zufrieden: „Wir haben uns gut vorbereitet und sind natürlich voll fokussiert auf das Spiel.“ Trotz der Diskussionen um das aberkannte Tor in Cottbus will man sich nicht mit Schiedsrichterentscheidungen aufhalten. Über eine Saison hinweg gleiche sich vieles aus, so die Einschätzung.
Auffällig: Waldhof beendete zuletzt zwei Spiele in Unterzahl, ein Faktor für die dramatischen Schlussphasen. Ziel ist es, künftig wieder mit elf Mann ins Ziel zu kommen, um unnötige „Krimis“ in der Nachspielzeit zu vermeiden.
Gegneranalyse: VfB Stuttgart II mit viel Qualität
Mit dem VfB Stuttgart II wartet eine spielstarke und junge Mannschaft. Ähnlich wie die U23 von Hoffenheim setzt Stuttgart auf Dominanz, Ballbesitz und hohes Tempo. Viele Akteure sind technisch versiert, handlungsschnell und taktisch gut ausgebildet. Typisch für Nachwuchsteams: enorme individuelle Qualität, aber gelegentlich fehlende Erfahrung in entscheidenden Momenten. Waldhof will dem mit körperlicher Präsenz, konsequenter Defensive und schnellem Umschaltspiel begegnen. Auch Standardsituationen könnten eine Schlüsselrolle spielen.
Videobeweis als Streitpunkt
Die turbulenten Szenen zuletzt haben auch eine alte Debatte neu entfacht: Braucht die 3. Liga technische Unterstützung? Holtz sieht die Thematik differenziert. Er könne sich vorstellen, grobe Fehlentscheidungen überprüfen zu lassen, machte aber auch deutlich, dass zu viele Unterbrechungen dem Spiel schaden würden. „Ich würde es begrüßen, wenn grobe Fehlentscheidungen kontrolliert werden könnten“, sagte er. Gleichzeitig gab er zu bedenken: „Ist es für die Zuschauer auch jetzt gut, wenn das Spiel jedes Mal für fünf oder sechs Minuten angehalten wird?“ Zwischen Gerechtigkeit und Spielfluss bleibt es ein Balanceakt.
Emotionale Führung gefragt
Mit dem Fehlen eines lautstarken Führungsspielers ist auf dem Platz nun mehr Eigeninitiative gefragt. Die Mannschaft gilt nicht als besonders extrovertiert, doch gerade in engen Spielen braucht es Kommunikation, Präsenz, auch einmal ein klares Wort. Holtz betonte die Bedeutung einer gesunden Emotionalität. „Ich denke schon, dass es notwendig ist im Spiel auch auf dem Platz manchmal eine gewisse Emotionalität auch bei den Spielern zu haben“, erklärte er. Leidenschaft ja, Übermut nein. Die richtige Dosis könnte am Ende den Unterschied machen.
Mehr als tausend mitgereiste Anhänger werden ihren Teil beitragen. Großaspach könnte zum Prüfstein werden, sportlich wie mental. Trotz aller Widrigkeiten bietet dieses Spiel die Gelegenheit, Charakter zu zeigen und als Team enger zusammenzurücken. Genau darin liegt vielleicht die größte Chance dieses Abends.
