Ein Nachmittag voller Wendungen im Ostseestadion: Hansa Rostock und Rot-Weiss Essen lieferten sich ein Duell, das lange auf der Kippe stand. Zweimal zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt, zweimal bebte das Stadion. Am Ende war es ein Joker, der das letzte Kapitel dieses intensiven Schlagabtauschs schrieb.
Verfolger unter Druck
Nach enttäuschenden Auftritten in der Vorwoche standen sowohl Hansa Rostock als auch Rot-Weiss Essen unter Zugzwang. Beide Teams wollten im direkten Vergleich ein Zeichen setzen und den Anschluss nach oben wahren. Entsprechend deutlich fielen die personellen Veränderungen auf beiden Seiten aus. Rostocks Trainer Daniel Brinkmann stellte seine Startelf kräftig um, verzichtete sogar zunächst auf seinen treffsichersten Angreifer. Auch Essens Coach Uwe Koschinat schickte eine veränderte Formation aufs Feld.
Die Partie begann mit viel Energie, aber noch ohne Präzision. Essen setzte den ersten Abschluss, doch Rostock übernahm zunehmend die Kontrolle. Es dauerte eine Weile, bis sich echte Torgefahr entwickelte, dann jedoch wurde es turbulent.
Ein Eigentor bringt die Führung
Mit zunehmender Spieldauer wuchs der Druck der Hausherren. Mehrere Abschlüsse deuteten an, dass die Führung nur eine Frage der Zeit sein könnte. Kurz vor dem Pausenpfiff fiel sie dann auf kuriose Weise: Nach einer scharfen Hereingabe landete der Ball über Umwege im Essener Netz, weil ein Verteidiger unglücklich ins eigene Tor klärte. Die Führung war verdient, auch wenn ihre Entstehung glücklich wirkte.
Essen hatte bis dahin defensiv kompakt agiert, offensiv jedoch kaum Akzente gesetzt. Der Rückstand zwang die Gäste nun zum Umdenken.
Spektakel nach der Pause
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich Essen mutiger, lief dabei aber mehrfach in gefährliche Konter. Im Mittelpunkt stand nun Essens Schlussmann, der zunächst stark reagierte, ehe er bei einem riskanten Ausflug außerhalb seines Strafraums überrascht wurde. Rostocks Angreifer nutzte die Gelegenheit mit einem gefühlvollen Heber und erhöhte sehenswert.
Doch wer glaubte, die Vorentscheidung sei gefallen, irrte. Praktisch im Gegenzug schlugen die Gäste zurück und verkürzten nach einer präzisen Flanke. Das Spiel wogte nun hin und her, beide Mannschaften suchten die Entscheidung. Rostock verpasste es mehrfach, den alten Abstand wiederherzustellen.
Zwei Elfmeter, ein Joker
Die Schlussphase hatte es in sich. Nach einer umstrittenen Szene im Strafraum entschied der Unparteiische auf Strafstoß für Essen. Obwohl der Ball zuvor wohl bereits im Aus gewesen war, blieb es bei der Entscheidung. Vom Punkt ließ sich Essens Schütze nicht beirren und stellte auf Ausgleich. Die Partie drohte zu kippen. Essen drängte, Rostock wirkte kurzzeitig verunsichert. Dann erneut ein Pfiff. Ein Kopfball prallte an die Hand eines Esseners, keine Absicht, aber regeltechnisch relevant. Strafstoß für Hansa.
Kurz zuvor eingewechselt, übernahm ausgerechnet der zuvor geschonte Torjäger Verantwortung. Emil Holten blieb eiskalt und verwandelte zum 3:2. Später sagte er sinngemäß, er habe „einfach nur ruhig bleiben“ wollen, der Rest sei Routine gewesen. Es war sein Moment.
Tabellenbild rückt enger zusammen
Mit diesem Erfolg zieht Rostock nach Punkten mit Essen gleich und überholt die Gäste im Klassement. Ein Sieg, der nicht nur aufgrund der Dramatik Gewicht hat, sondern auch im Rennen um die oberen Plätze neue Spannung erzeugt. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Schon wenige Tage später geht es weiter. Rostock reist auswärts an, Essen empfängt im eigenen Stadion den nächsten Gegner. Die Saison bleibt eng, jeder Punkt zählt.
Am Ende dieses Nachmittags bleibt ein Spiel, das alles bot: Fehler, Mut, Diskussionen und einen späten Helden. Genau jene Mischung, die den Reiz solcher Verfolgerduelle ausmacht.
