Rot-Weiss Essen hatte an gestrigen Abend vieles unter Kontrolle, nur nicht das Ergebnis. Im Spitzenspiel gegen den formstarken SV Wehen Wiesbaden reichte eine dominante Leistung am Ende nur zu einem 1:1. Besonders schmerzlich, weil der Auftritt über weite Strecken zu den überzeugendsten der vergangenen Wochen zählte.
Ein Abend mit großen Erwartungen
Der Rahmen passte. Flutlicht an der Hafenstraße, ein Gegner in Topform und ein besonderer Anlass: Am eigenen Geburtstag wollte Rot-Weiss Essen ein Ausrufezeichen im Aufstiegsrennen setzen. Der Gegner, SV Wehen Wiesbaden, reiste mit breiter Brust an und wollte seinen Lauf veredeln.
Was folgte, war über lange Phasen ein Spiel in eine Richtung. Essen bestimmte Tempo und Rhythmus, setzte früh Akzente und hielt die Gäste weitgehend vom eigenen Strafraum fern.
Dominanz ohne Belohnung
Vor allem nach dem Seitenwechsel drängten die Hausherren auf die Entscheidung. Die Führung lag in der Luft, Chancen gab es reichlich, doch der zweite Treffer wollte nicht fallen. Wiesbaden blieb blass, lauerte jedoch auf den einen Moment.
Trainer Uwe Koschinat sah von außen eine Partie, in der seine Mannschaft spielerisch überzeugte, sich aber nicht belohnte. Genau dieses Gefühl spiegelte sich auch in den Worten des Kapitäns wider.
Schultz: „Mit das Beste seit Langem“
Abwehrchef Michael Schultz fand nach dem Abpfiff klare Worte. „Ergebnistechnisch ist das extrem enttäuschend. Es war ein Top-Spiel von uns. Die erste Halbzeit war mit das Beste, was wir seit langem gespielt haben, aber wir müssen früher den Deckel draufmachen“, erklärte er und verwies auf die starke Phase, in der Essen das Spiel hätte entscheiden können.
Der eine Stich der Gäste
Stattdessen kam Wiesbaden zurück. Mit nahezu der ersten echten Möglichkeit traf Fatih Kaya zum Ausgleich. Ein Abschluss, der unglücklich abgefälscht wurde, durch die Beine von Ben Hüning ging und Marcel Golz auf dem falschen Fuß erwischte.
„Es ist ärgerlich und auch ein Stück weit glücklich für den Gegner“, so Schultz, der sich kaum an weitere gefährliche Aktionen der Gäste erinnern konnte.
Defensive Stabilität als Signal
Trotz des späten Rückschlags überwog in Essens Reihen nicht nur Frust. Nach einem zuvor wackeligen Auftritt gegen TSV Havelse präsentierte sich die Defensive deutlich gefestigt. Wiesbaden wurde früh angelaufen, unter Druck gesetzt und kaum zur Entfaltung kommen gelassen.
„Wir wollten den Gegner stressen, gerade mit der Hafenstraße im Rücken. Das ist aufgegangen“, betonte Schultz und hob die Geschlossenheit des Teams hervor.
Blick nach vorn
Unterm Strich blieb ein Punkt, der sich wie eine verpasste Chance anfühlte. Dennoch war die Richtung klar erkennbar. Die Leistung dient als Maßstab für die kommenden Aufgaben. Schon bald wartet mit Alemannia Aachen der nächste Prüfstein.
Die Enttäuschung soll nur kurz dauern. Denn wenn Rot-Weiss Essen diesen Auftritt konserviert und sich effizienter zeigt, dürfte der nächste Erfolg nur eine Frage der Zeit sein.
