Nach der deutlichen Pleite in Osnabrück endete der Abend für viele Anhänger von Rot-Weiss Essen nicht im Frust über das Spiel, sondern in einer stundenlangen Begegnung mit der Polizei. Rund um die Rückreise kam es zu einem größeren Einsatz, der inzwischen im Netz heftig diskutiert wird. Während die Bundespolizei von Straftaten einzelner Fans spricht, schildern Betroffene eine Maßnahme, die aus ihrer Sicht deutlich zu weit ging.
Nach Abpfiff wird die Rückreise zum Polizeithema
Sportlich lief es für RWE beim VfL Osnabrück in die falsche Richtung, doch richtig angespannt wurde die Situation offenbar erst auf dem Heimweg. Nach Angaben der Bundespolizei soll es bereits am Bahnhof in Osnabrück zu Straftaten durch einzelne Anhänger gekommen sein. Genannt werden unter anderem Landfriedensbruch, Körperverletzungen sowie tätliche Angriffe auf Einsatzkräfte. Dabei wurden laut Polizei zwei Beamte verletzt.
Im Anschluss wurde die Rückfahrt der Gästefans demnach von Kräften der Polizei begleitet, ein Einsatz, der später in Essen noch eine größere Dimension bekam.
Kontrolle am Essener Hauptbahnhof: Personalien, Fotos, Durchsuchungen
Am Essener Hauptbahnhof wartete bei der Ankunft am frühen Abend dann die nächste Maßnahme. Die Bundespolizei kontrollierte dort mehr als 180 Personen, nahm Personalien auf, durchsuchte und fotografierte die Betroffenen. Viele durften den Bahnhof erst nach längerer Wartezeit wieder verlassen, für zahlreiche Fans zog sich das spürbar. Parallel kündigte die Polizei an, Ermittlungsverfahren einzuleiten und den Einsatz im Nachgang auszuwerten.
Fans schildern eine Fahrt unter strengen Vorgaben
In sozialen Netzwerken meldeten sich nach dem Vorfall viele RWE-Anhänger zu Wort. Mehrere Beiträge beschreiben eine verspätete Abfahrt in Osnabrück und eine auffällige Präsenz von Einsatzkräften im Zug. Wiederholt taucht in den Schilderungen der Vorwurf auf, dass die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt gewesen sei. Demnach seien Fans auf wenige Abteile begrenzt worden, ohne Möglichkeit, während der Fahrt zu wechseln. Auch organisatorische Regeln werden thematisiert: Toilettengänge hätten teils angemeldet werden müssen, verbunden mit Wartezeiten, bis eine Freigabe kam.
Vorwürfe am Bahnsteig: Eskalation statt Deeskalation?
Neben der Situation im Zug berichten Nutzer auch über den Bahnsteig in Osnabrück. Ein Beitrag bewertet das Vorgehen grundsätzlich kritisch und spricht von einer bewusst herbeigeführten Zuspitzung: „Hier wurde meiner Meinung nach mit Vorsatz eine unnötige Eskalation geschürt“, wie auch die „WAZ“ berichtet. In derselben Schilderung geht es um Momente, in denen Fans zeitweise nicht einsteigen konnten oder sich nicht frei bewegen durften.
Diese Aussagen stammen aus persönlichen Eindrücken, eine unabhängige Überprüfung der Details ist darüber hinaus nicht möglich. Klar ist aber: Die Wahrnehmung der Maßnahme unterscheidet sich deutlich je nach Perspektive.
„Zusammengepfercht wie Verbrecher“: Kritik an der Maßnahme in Essen
Die schärfsten Worte fallen in Bezug auf die Kontrolle am Essener Hauptbahnhof. Einige Nutzer kritisieren, dass aus ihrer Sicht auch Unbeteiligte in die Maßnahme geraten seien. Ein Kommentar bringt die Empörung in einem Satz auf den Punkt: „Warum werden Hunderte Fans unnötig umkreist und zusammengepfercht wie Verbrecher?“
Andere sprechen von „Willkür“, relativieren aber zugleich, dass es bei Auswärtsfahrten im Fußball immer wieder zu ähnlich strikten Einsätzen komme, besonders wenn es zuvor zu Vorfällen mit Einzelpersonen gekommen ist.
Ein Einsatz, viele Sichtweisen
Was bleibt, ist ein Konflikt zwischen zwei Darstellungen: Auf der einen Seite steht die Polizei, die von konkreten Straftaten und verletzten Beamten berichtet. Auf der anderen Seite stehen Fans, die eine pauschale Behandlung, enge Vorgaben und eine aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Kontrolle schildern.
Wie genau der Einsatz bewertet wird, dürfte auch davon abhängen, was die angekündigte Nachbereitung ergibt, und ob sich die Vorwürfe zu Ablauf und Verhältnismäßigkeit im Nachhinein nachvollziehbar klären lassen.
