In Ulm prallen Fußballfankultur und Kommunalpolitik zunehmend sichtbar aufeinander. Auslöser ist ein Wahlplakat der SPD, das mit Stickern aus dem Umfeld des SSV Ulm 1846 Fußball überklebt wurde. Jetzt kündigt die Partei rechtliche Schritte an, während die Fanszene den Konflikt längst ins Stadion getragen hat.
Wahlplakat überklebt, SPD reagiert mit Anzeige
Der Ärger um Aufkleber in der Stadt hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. In der Ulmer Oststadt wurde ein großformatiges SPD-Wahlplakat so stark beklebt, dass zentrale Bildbestandteile kaum noch zu erkennen sind. Laut einem Bericht der „Südwest Presse” wird die Partei deshalb wohl eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung stellen.
Im Mittelpunkt des Plakats steht SPD-Politiker Andreas Stoch. Mehrere weitere abgebildete Personen sind ebenfalls zu sehen, deren Münder mit Stickern zugeklebt wurden. Auf den Aufklebern stehen Kürzel wie „BSU“ sowie „SSV 1846“. „BSU“ wird in der Fanszene als Hinweis auf die „Broken Society Ultras“ verstanden.
Rivoir bleibt bei harter Linie und kritisiert Selbstverständnis
Innerhalb der Ulmer SPD will man das nicht als „Spaßaktion“ abtun. Martin Rivoir, Landtagsabgeordneter und Stadtrat, macht deutlich, dass beschädigte Wahlwerbung aus Sicht der Partei grundsätzlich Konsequenzen haben soll. „Wenn Plakate zerstört oder beschädigt werden erstatten wir grundsätzlich Anzeige“, erklärt er.
Gleichzeitig nutzt Rivoir den Vorfall für eine grundsätzliche Einordnung. Ihn irritiere die Haltung, die sich dahinter verbergen könne, und er stellt die Frage, „was da für eine Selbsteinschätzung da ist, dass man als Fußballverein eine Stadt in der Art und Weise okkupiert“.
Der Antrag im Rathaus und die Einladung zum Mitmachen
Hintergrund ist ein Vorstoß der SPD im Ulmer Gemeinderat, der bereits in den Tagen zuvor für Diskussionen gesorgt hatte. Die Partei hatte den Oberbürgermeister adressiert und die Fans des SSV dazu aufgefordert, sich an einer städtischen Frühjahrsputzaktion zu beteiligen, die in Ulm traditionell von verschiedenen Gruppen unterstützt wird. Damit wollte die SPD nach eigener Lesart auch ein Signal setzen, dass öffentliche Flächen nicht dauerhaft durch Aufkleber und ähnliche Spuren geprägt werden sollen.
Reaktion aus der Kurve: Spottbanner im Stadion
Die Fanszene wiederum ließ die politische Debatte nicht unkommentiert. Beim jüngsten Heimspiel tauchten im Stadion Banner auf, die sich direkt auf den SPD-Vorstoß bezogen und ihn ironisch konterten. Der Ton: spöttisch, provokant, klar auf Wirkung gesetzt. Rivoir zeigte sich davon nicht grundsätzlich verärgert, sondern eher überrascht, wie schnell ein Antrag aus dem Rathaus in der Fankurve ankommt. Er nimmt die Sache mit einem Schulterzucken, auch wenn er selbst an dem Spieltag nicht im Stadion war.
Wenn Aufkleber zum Stadtgespräch werden
Was als Streit über Sticker begann, ist inzwischen zu einer Debatte über Grenzen geworden: Wo endet Fanfolklore und wo beginnt Sachbeschädigung, wie viel Raum beansprucht eine Szene im öffentlichen Stadtbild, und wie reagieren Parteien, wenn Wahlwerbung zum Ziel wird. Die nächsten Schritte, Anzeige auf der einen Seite, weitere Aktionen auf der anderen, könnten den Ton weiter verschärfen, und das ausgerechnet in einer Stadt, in der Fußball und Politik ohnehin nah beieinander liegen.
