Beim FC Erzgebirge Aue laufen die Planungen derzeit auf zwei Schienen. Während sportlich jeder Punkt im Abstiegskampf zählt, arbeiten die Verantwortlichen im Hintergrund bereits an Szenarien für unterschiedliche Ligen. Die kommenden Wochen entscheiden nicht nur über den Tabellenplatz, sondern auch über die wirtschaftliche Ausrichtung des Traditionsvereins.
Zwischen Hoffen und Rechnen
Die Lage ist ernst. Als Tabellensiebzehnter steht der Verein aus dem Erzgebirge unter Druck, sportlich wie organisatorisch. Fristgerecht müssen die Unterlagen für die kommende Spielzeit eingereicht werden, und zwar unabhängig davon, in welcher Liga Aue am Ende antreten wird. Die Lizenz für die 3. Liga ist ebenso Thema wie eine mögliche Bewerbung für die Regionalliga Nordost.
Für Präsident Thomas Schlesinger ist diese Doppelstrategie alternativlos. Gegenüber „TAG24“ machte er deutlich, dass man im Falle des Klassenerhalts finanziell in vergleichbaren Dimensionen planen wolle wie aktuell. Der Gesamtetat des Vereins soll sich demnach weiterhin im Bereich von rund 13 Millionen Euro bewegen. Bereits in der laufenden Saison hatte man nachjustieren müssen, nachdem sich im Zuge der Lizenzierung zusätzliche Anforderungen ergeben hatten.
Szenario Abstieg, Szenario Einschnitt
Deutlich komplexer gestaltet sich die Rechnung für den Fall eines Abstiegs. Noch wird intern kalkuliert, doch klar ist: Ein Schritt in die Viertklassigkeit hätte spürbare Folgen. Besonders ins Gewicht fallen die Medienerlöse. Während in der 3. Liga ein relevanter Betrag aus TV-Geldern fließt, bewegt sich die Ausschüttung in der Regionalliga lediglich in einem niedrigen fünfstelligen Bereich. Ein erheblicher Einnahmeposten würde damit nahezu vollständig entfallen.
Die wirtschaftliche Planung hängt also unmittelbar vom sportlichen Ausgang der Saison ab. Dreizehn Partien stehen noch aus, und jeder Spieltag verschärft die Situation. In der Rückrunde gelang bislang nur wenig Zählbares, was den Druck zusätzlich erhöht.
Appell an Mentalität und Stabilität
Schlesinger setzt dennoch auf die Qualität des Kaders und das Trainerteam um Christoph Dabrowski sowie Sportchef Michael Tarnat. „Wir sind davon überzeugt, dass das Trainerteam die Mannschaft so vorbereitet, dass genau die Mentalität auf den Platz kommt, die wir jetzt brauchen“, erklärte der Präsident gegenüber „TAG24“. Es gehe darum, in den verbleibenden Spielen die notwendigen Punkte einzufahren.
Besonders im Defensivverhalten sieht der Klubchef einen entscheidenden Ansatzpunkt. Jeder Spieler bringe die nötige Qualität mit, betonte er, doch neben offensiver Kreativität brauche es vor allem Stabilität und Widerstandskraft. „Diesen Hebel müssen sich Mannschaft und Staff im Training erarbeiten und die Niederlage gegen Cottbus aus den Köpfen kriegen.“
Hoffnungsschimmer trotz Rückschlag
Tatsächlich zeigte die Mannschaft zuletzt phasenweise eine Leistung, die Mut machen kann, auch wenn sie ohne Ertrag blieb. Genau an diese Vorstellung wollen die Veilchen nun anknüpfen. Im anstehenden Heimspiel gegen VfL Osnabrück soll endlich wieder gepunktet werden. Die Verantwortlichen wissen, was auf dem Spiel steht. Ein überzeugender Auftritt allein reicht nicht mehr, Ergebnisse sind gefragt. Im Erzgebirge geht es um nichts Geringeres als die sportliche Zukunft und die finanzielle Stabilität des Vereins.
Am Ende dieser Saison wird sich zeigen, ob der eingeschlagene Weg trägt. Bis dahin bleibt Aue im Spannungsfeld zwischen Zuversicht und Kalkulation, zwischen Leidenschaft auf dem Platz und nüchterner Planung im Hintergrund.
