Beim SSV Ulm 1846 kocht nach dem 0:5 gegen Hansa Rostock nicht nur die sportliche, sondern auch die interne Stimmung über. Ein vertrauliches Schreiben der Kapitäne Johannes Reichert und Christian Ortag an den Aufsichtsrat ist an die Öffentlichkeit gelangt, mit deutlicher Kritik an Sportdirektor Markus Thiele und Trainer Moritz Glasbrenner. Für den Drittligisten, aktuell im Abstiegskampf der 3. Liga, ist es der nächste Eskalationsschritt.
Stimmung kippt nach dem 0:5-Debakel
Die 0:5-Pleite vor heimischem Publikum ließ die Nerven blank liegen: Während die Ultras die Mannschaft demonstrativ ignorierten, suchte Sportdirektor Markus Thiele am Zaun den Dialog und stellte dabei unter anderem die Mentalität des Teams in Frage. Nach 14 Spieltagen steht der Zweitliga-Absteiger auf einem direkten Abstiegsrang; die Niederlage verschärfte die ohnehin labile Lage.
Kapitäne schlagen Alarm – „Atmosphäre vergiftet“
Tags darauf folgte die nächste Erschütterung. Laut „Südwestpresse“ wandten sich Reichert und Ortag mit einem internen Hilferuf an den Aufsichtsrat, der nun publik wurde. Darin heißt es wörtlich „Die Atmosphäre ist vergiftet, das Vertrauen zerstört. Das Verhältnis zwischen Mannschaft, Trainer und vor allem dem Sportdirektor ist komplett zerrüttet.“
Obwohl der Name nicht fällt, richtet sich die Kritik offensichtlich gegen die sportliche Leitung um den seit 2021 verantwortlichen Thiele. Beide Kapitäne – derzeit verletzt – sehen sich als Stellvertreter der Kabine „Handelt jetzt, bevor es zu spät ist. Wir brauchen im sportlichen Bereich einen kompletten Neuanfang, um überhaupt noch die kleine Chance auf den Klassenerhalt zu wahren.“
Vorwurf mangelnder Rückendeckung
Besonders schwer wiegt der Vorwurf, die Spieler würden öffentlich alleine gelassen „Die Spieler stehen völlig schutzlos da. Sie bekommen keinerlei Rückendeckung, keine Unterstützung, kein Vertrauen. Stattdessen werden sie intern und öffentlich zu Sündenböcken gemacht.“ Betroffen seien vor allem junge Drittligaprofis in einem durch Verletzungen ausgedünnten Kader. In den vergangenen Wochen hatten Thiele und Trainer-Neuling Glasbrenner wiederholt Einstellung und Mentalität des Teams öffentlich bemängelt.
Sportliche Bilanz und Druck auf die Verantwortlichen
Glasbrenner, zuvor Coach der U19, übernahm am 7. Spieltag auf Rang zwölf und startete mit sieben Punkten aus drei Partien. Inzwischen steht eine Negativserie: fünf Niederlagen in Folge, 3:19 Tore und Tabellenplatz 18. Vorstandschef Thomas Oelmayer hatte zuletzt öffentlich an Thiele und Glasbrenner festgehalten. Mit dem Kapitäns-Schreiben erreicht die Krise jedoch eine neue Dimension, die Frage nach einem „kompletten Neuanfang“ im sportlichen Bereich steht nun unübersehbar im Raum.
Kurzprofile der Kapitäne
- Johannes Reichert (C): Defensivspieler, Identifikationsfigur des SSV Ulm 1846; aktuell verletzt, dennoch tonangebend außerhalb des Platzes.
- Christian Ortag (Co-C): Torhüter und Führungsspieler; ebenfalls verletzt und Mitunterzeichner des Hilferufs.
Ausblick: Weichenstellung im Abstiegskampf der 3. Liga
Ob der Aufsichtsrat den geforderten Schnitt vollzieht oder an der bisherigen Linie festhält, dürfte die kommenden Tage bestimmen und womöglich den weiteren Saisonverlauf der Spatzen in Liga3 prägen.
