Der Ton beim MSV Duisburg wird schärfer, und das ist kein Zufall. Nach dem 3:1 gegen Hoffenheim II beließ es Dietmar Hirsch nicht bei Zufriedenheit über drei Punkte, sondern formulierte den Aufstiegsanspruch so klar wie selten. In Duisburg wächst das Gefühl, dass in dieser Saison nicht nur Spiele gewonnen, sondern auch Signale gesetzt werden sollen.
Hirsch macht aus dem Ziel kein Geheimnis mehr
Der MSV Duisburg hat im Aufstiegsrennen geliefert, wenn auch ohne Glanz über die gesamte Distanz. Gegen Hoffenheim II brauchte der Aufsteiger Geduld, Konsequenz und am Ende auch den langen Atem, ehe der 3:1-Erfolg feststand. Mit dem Treffer von Conor Noß zum Endstand fiel die letzte Spannung ab, danach wurde die Arena mit 27.500 Zuschauern zur Feierzone.
Dass Hoffenheim mehr Ballbesitz hatte, überraschte in Duisburg niemanden. Schon im Hinspiel im Dietmar-Hopp-Stadion war dieses Muster zu sehen gewesen, damals allerdings mit deutlich schlechterem Ausgang für den MSV. Hirsch ordnete die Kräfteverhältnisse diesmal anders ein und machte klar, worauf es aus seiner Sicht ankam: Duisburg habe den Sieg gebraucht, weil man im kommenden Jahr idealerweise „nicht mehr in dieser Liga spielen“ wolle.
Hirsch formuliert das Ziel inzwischen erstaunlich offen
Genau solche Sätze zeigen, wie sehr sich die Tonlage verändert hat. Hirsch spricht nicht mehr bloß über eine gute Ausgangsposition oder über wichtige Wochen. Er formuliert den Anspruch inzwischen offen und mit spürbarem Nachdruck. Auch nach dem Hoffenheim-Spiel unterstrich er, dass seine Mannschaft genau gewusst habe, was auf dem Spiel stand. Während der Gegner befreiter habe auftreten können, sei der MSV auf das Ergebnis angewiesen gewesen.
Entsprechend fiel auch seine Bewertung aus. Der Sieg gehe in Ordnung, erklärte Hirsch, und in der ersten Halbzeit wäre aus seiner Sicht sogar „noch ein Tor mehr“ möglich gewesen. Das ist bezeichnend für diese Phase der Saison. Duisburg will nicht nur irgendwie durchkommen, sondern seine Spiele mit Überzeugung in die richtige Richtung ziehen.
Nur ein Detail störte den Trainer
Vollkommen zufrieden war Hirsch dennoch nicht. Vor allem das Gegentor missfiel ihm, weil der MSV bei einem langen Einwurf im eigenen Strafraum nicht konsequent genug verteidigte. In dieser Szene habe man „die Box schlecht“ verteidigt, hielt der Trainer fest. Abgesehen davon sah er jedoch eine stabile Leistung, denn viel habe seine Mannschaft insgesamt nicht zugelassen.
Auffällig bleibt, dass Hirsch selbst bei Kritikpunkten nicht kleinlaut wirkt, sondern kontrolliert fordernd. Das passt zu seinem gesamten Auftreten in diesen Tagen. Auch im Umgang mit dem Trainerkollegen aus Hoffenheim ließ er keinen Zweifel daran, wie Duisburg auf die nächste Saison blickt. Mit einem Augenzwinkern deutete er an, dass ein Wiedersehen „nicht sein“ müsse. Locker gesagt, klar gemeint.
Der MSV will den Druck nicht nur aushalten, sondern erzeugen
Noch deutlicher wurde Hirsch, als er den Blick auf die kommenden Wochen richtete. Duisburg wolle weiter nach vorne arbeiten, weiter investieren und den Druck hochhalten, um es jetzt „durchziehen“ zu können. Genau darin steckt der Kern der Duisburger Haltung: Der MSV sieht sich nicht mehr nur als Verfolger oder Kandidat unter vielen, sondern als Mannschaft, die das Rennen aktiv gestalten will.
Das erhöht automatisch auch den Druck auf die Konkurrenz. Das direkte Duell zwischen Energie Cottbus und Rot-Weiss Essen bekommt aus Duisburger Sicht zusätzliche Bedeutung, weil der MSV seine Aufgabe bereits erledigt hat. In dieser Saisonphase ist jeder eigene Sieg auch ein Signal an die anderen.
Bulic steht exemplarisch für die Intensität dieser Mannschaft
Wie groß die Bereitschaft innerhalb des Teams inzwischen ist, bis an die Grenze zu gehen, zeigte Rasim Bulic. Der Mittelfeldspieler lieferte eine starke Partie, legte fast 13 Kilometer zurück, gewann viele Zweikämpfe und setzte auch offensiv wichtige Impulse. Danach war er sichtbar am Limit.
Hirsch wertete genau das als positives Zeichen. Er finde es „geil“, wenn ein Spieler offen sage, dass nichts mehr gehe, weil das eben auch viel über den Zusammenhalt verrate. In dieser zugespitzten Wortwahl steckt viel von dem, was den MSV derzeit trägt: Energie, Klarheit und die Bereitschaft, in dieser Schlussphase alles unterzuordnen.
In Aachen wartet die nächste Druckprobe
Vor dem nächsten Topspiel gibt es personell immerhin keine neuen Ausfälle durch Sperren. Damit richtet sich der Fokus sofort auf den Westschlager bei Alemannia Aachen, der noch emotionaler werden dürfte als das Heimspiel gegen Hoffenheim. Die Kulisse verspricht Wucht, die Ausgangslage zusätzliche Brisanz. Hirsch sprach mit sichtbarer Vorfreude über die nächste Aufgabe. Das Stadion werde voll sein, sagte er, außerdem werden „über 6.000 Duisburger“ mitreisen. Auf genau solche Spiele blicke man mit besonderer Spannung.
Für den MSV ist Aachen deshalb weit mehr als nur der nächste Gegner, es ist die nächste große Bühne in einer Saison, die sich immer stärker zuspitzt. Duisburg hat gegen Hoffenheim nicht alles glänzend gelöst, aber genau die Partie gewonnen, die gewonnen werden musste. Noch interessanter ist jedoch, wie der Klub inzwischen über diese Wochen spricht. Der MSV sendet nicht nur Ergebnisse, sondern auch Botschaften. Und die klingen längst so, als solle dieses Kapitel in Liga drei bald enden.
