Nach dem gemeinsamen Auftritt von TSV 1860 München und Hauptsponsor „die Bayerische“ beim Heimsieg gegen den 1. FC Saarbrücken meldet sich Vorstandsmitglied Martin Gräfer mit deutlichen Worten. In einem pointierten Beitrag fordert er eine nüchterne Bestandsaufnahme und klare Ziele für den Profifußball der Löwen in der 3. Liga und spart dabei auch indirekte Kritik an Vereinspräsident Gernot Mang nicht aus.
Gräfers Grundsatzkritik: „Klicks“ reichen nicht
Gräfer bemängelt auf seinen sozialen Kanälen eine zu kurzfristige Debattenkultur rund um den Traditionsklub: „Ein bisschen Spott gegen den Nachbarn hier, ein bisschen Traditionspathos dort. Das bringt Klicks und kurzfrisitge Zustimmung“, schreibt der 56-Jährige. „Aber als Vorstand eines Hauptsponsors und als jemand, der Verantwortung für das große Ganze trägt, sage ich klar: Das reicht nicht.“ Nach seiner Sicht wird hitzig über das Stadion gestritten, „während wir operative und strategische Hausaufgaben noch nicht in einem, die wichtigen Stakeholder einbindenden Diskurs definiert haben“.
Vier Leitgedanken: Von der Strategie bis zur Planungssicherheit
1) Strategie vor Infrastruktur. Zuerst müsse der Verein festlegen, wohin die Reise im Profifußball geht: Dritte Liga als bewusster Kurs, oder die Rückkehr in die Top-25 in Deutschland. Gräfer betont: „Beides ist legitim – aber es erfordert völlig unterschiedliche Business-Pläne. Nur wer das Ziel kennt, kann den richtigen Standort wählen.“
2) Fakten statt Stimmungen. Unter „faktenbasierte Entscheidungen statt Stimmungspolitik“ schlägt Gräfer eine Mitgliederbefragung vor, um den Anspruch des Vereins an den Profifußball belastbar zu ermitteln.
3) Keine Neiddebatten. Deutlich wird er bei Vergleichen mit dem Münchner Nachbarn. Ohne den Präsidenten namentlich zu nennen, adressiert Gräfer die Haltung im Umfeld: „Sich am nachbarschaftlichen Marktführer abzuarbeiten, mag für manche identitätsstiftend wirken. Wirtschaftlich und sportlich bringt es uns keinen Zentimeter weiter. Echter „Löwenmut“ bedeutet für mich: Fokus auf die eigene Leistung, Respekt vor dem Wettbewerb und das Lösen der eigenen strukturellen Defizite. Wer nach außen laut ist, muss nach innen lieferfähig sein.“
4) Verlässlichkeit für Investoren und Sponsoren. Abschließend verlangt Gräfer einen klaren Matchplan und verlässliche Partnerstrukturen: „Investoren und Sponsoren brauchen verlässliche Partner“. Sein Fazit zielt erneut auf die Führungsebene: „Wer Verantwortung trägt, darf nicht beim Wunschdenken stehen bleiben. Streit in der Sache ist notwendig – aber er muss konstruktiv sein und einem Plan folgen.“ Die Bayerische stehe für diesen Weg bereit und wolle „dringend motivieren, dass er gegangen wird“.
Offene Frage an die Fans
Mit Blick auf die Zukunft von 1860 in Liga3 richtet Gräfer zwei Fragen an die Löwen-Gemeinde: „Was meint Ihr? Wie viel „Business-Rationalität“ verträgt ein Traditionsverein – und wie viel braucht er zwingend zum Überleben?“
