Beim MSV Duisburg wird das große Ziel inzwischen lieber umschifft, obwohl die Tabelle eine klare Sprache spricht: Wer nach 25 Spieltagen auf Rang zwei steht, steckt mitten im Aufstiegsrennen. Genau deshalb fordert Geschäftsführer Michael Preetz vor dem Start ins letzte Saisondrittel mehr Schärfe. Denn die kommenden Wochen werden zum Stresstest, sportlich wie körperlich.
Das A-Wort ist da, auch wenn es keiner laut sagen will
Noch vor Kurzem klang rund um Wedau alles nach Aufbruch. Nach dem 4:2 gegen Verl rutschte Trainer Dietmar Hirsch erstmals das Wort „Aufstieg“ heraus, begleitet von lockeren Sprüchen und einem kleinen Moment der Euphorie. Diese Leichtigkeit ist inzwischen verflogen. Das 1:6 in Wiesbaden wirkte wie ein Schlag ins Gesicht, und selbst nach dem 3:1 gegen Schlusslicht Schweinfurt blieb ein schaler Beigeschmack, weil die zweite Hälfte zu wenig war.
Co-Trainer Marvin Höner brachte die neue Vorsicht auf den Punkt und blieb demonstrativ defensiv: „Die Partie heute zeigt zwar, dass wir zu Recht oben stehen, dass wir aber gut daran tun, nicht das große Wort mit dem A in den Mund zu nehmen.“ Und er schob direkt hinterher, dass man für dieses Ziel stabilere Leistungen brauche, als sie zuletzt phasenweise zu sehen waren.
Preetz sieht den Knackpunkt und fordert mehr Wucht
In einem Interview mit der „NRZ“ benennt Michael Preetz die zentrale Beobachtung ohne Umschweife: „Wir müssen uns in den nächsten Spielen deutlich steigern.“ Für ihn ist das Problem weniger eine Frage des Talents, sondern der Haltung in den entscheidenden Momenten. Seine Diagnose klingt nach Alarmzeichen: „Die Leichtigkeit ist weg.“ Genau deshalb wird er konkret und fordert eine klare Reaktion: „Wir müssen die Intensität steigern.“
Das ist nicht nur ein Appell an die Kabine, sondern auch eine Erinnerung daran, wie schnell sich Stimmung und Tabellenlage drehen können, wenn der Fokus nur ein paar Prozent nachlässt.
Ein Programm, das keine halben Tage zulässt
Der Auftakt in diese entscheidende Phase beginnt am Sonntag mit dem Heimspiel gegen den Tabellenvorletzten Havelse. Danach wird es allerdings sofort deutlich ungemütlicher. Schon wenige Tage später wartet auswärts der formstarke FC Ingolstadt, der seit Wochen kaum zu bezwingen ist. Anschließend geht es Schlag auf Schlag weiter: Saarbrücken kommt, dann folgen Duelle mit Rostock, 1860 München, Essen und Osnabrück, einige davon auswärts und damit genau dort, wo Duisburg zuletzt am anfälligsten wirkte.
Spätestens nach diesem Block dürfte das Bild klarer sein, ob der MSV wirklich bis zum Ende oben bleiben kann oder ob die Verfolger das Momentum nutzen.
Heimstärke als Trumpf, Auswärtsbilanz als Risiko
Was für Duisburg spricht, ist die Wucht im eigenen Stadion. Zuhause tritt der MSV stabil auf, sammelt konstant Punkte und hat sich an der Wedau eine Art Sicherheitsnetz gebaut. Dazu kommt: Der Kader bietet Hirsch Optionen, selbst wenn einige Ausfälle schmerzen. Die fehlenden Spieler nehmen Qualität, aber sie reißen die Mannschaft bislang nicht auseinander. Gleichzeitig ist die Konkurrenz alles andere als fehlerfrei. Auch direkte Mitbewerber leisten sich Ausrutscher, die das Feld eng halten und dem MSV Luft verschaffen könnten, wenn er konsequent bleibt.
Was gegen die Zebras spricht, ist die Bilanz in der Fremde. Während andere Topteams auswärts regelmäßig nachlegen, hat Duisburg dort zu selten den entscheidenden Zugriff. Und ausgerechnet an Orten wie Ingolstadt, Rostock oder Essen wird es in den nächsten Wochen ernst.
Warum am Ende auch die Fitness über Punkte entscheidet
In solchen Phasen wird nicht nur Fußball gespielt, sondern auch Substanz geprüft. Ein Name, der dabei selten im Vordergrund steht, könnte noch wichtig werden: Fitness-Coach Thomas Klimmeck. Je weiter die Saison voranschreitet, desto mehr entscheidet sich, wer körperlich frisch bleibt und wer mit Muskelproblemen oder schwindender Spritzigkeit bezahlen muss.
Die jüngere Vergangenheit liefert dafür warnende Beispiele: Teams, die nach rund zwei Dritteln der Saison vorne standen, sind schon oft eingebrochen, weil Druck, Belastung und kleine Verletzungen irgendwann die Oberhand gewonnen haben.
Ein Zwischenstand, der Mut macht und gleichzeitig verpflichtet
Dass Duisburg zu diesem Zeitpunkt überhaupt über das „A“ diskutieren darf, ist bereits ein starkes Signal. Vor Saisonbeginn war eher vom sicheren Klassenerhalt die Rede, jetzt geht es um deutlich mehr. Genau daraus entsteht aber auch Verantwortung: Wer oben steht, muss das Spiel nicht nur genießen, sondern es Woche für Woche bestätigen. Und dafür, das macht Preetz unmissverständlich klar, braucht es jetzt mehr Intensität.
