Noch bevor dieses Topspiel völlig aus dem Ruder lief, hatte Claus-Dieter Wollitz den Rahmen längst gesprengt. Während Energie Cottbus auf dem Platz eine spektakuläre Aufholjagd startete und ein 1:3 noch in ein 5:3 gegen Rot-Weiss Essen verwandelte, stand der Trainer schon vorher im Mittelpunkt. Seine Worte, seine Verweigerung gegenüber MagentaSport und sein spürbarer Zorn gaben dem Abend eine zweite, fast ebenso laute Geschichte.
Ein Sieg, der nicht nur sportlich für Schlagzeilen sorgte
Acht Tore, ein gedrehtes Spiel und ein Stadion, das nach der Wende immer lauter wurde, mehr Dramaturgie lässt sich für ein Drittliga-Topspiel kaum schreiben. Energie Cottbus geriet gegen Rot-Weiss Essen zunächst schwer ins Wanken, kämpfte sich nach dem 1:3 jedoch mit voller Wucht zurück und drehte die Partie noch zu einem 5:3-Erfolg.
Doch der Blick richtete sich nicht nur auf die wilde Entwicklung auf dem Rasen. Denn schon vor dem Anpfiff war zu merken, dass bei Claus-Dieter Wollitz etwas in Bewegung geraten war, das weit über die üblichen Spannungen eines Spieltags hinausging.
Wollitz machte früh klar, wie geladen die Lage ist
Auf der Pressekonferenz vor dem Essen-Spiel trat der Cottbuser Coach gereizt und gleichzeitig demonstrativ kontrolliert auf. Gleich zu Beginn setzte er den Ton. „Sie können mir gerne Fragen stellen, ich schaue dann, ob ich diese beantworte. Ich möchte mich zurückhalten“, sagte Wollitz und ließ damit keinen Zweifel daran, dass die Ereignisse der vorherigen Partie in ihm noch nachwirkten.
Es war kein routinierter Medienauftritt, kein nüchterner Ausblick auf den kommenden Gegner. Vielmehr wirkte es wie der Moment, in dem sich angestauter Frust Bahn brechen sollte. Dass Wollitz dabei nicht nur emotional, sondern auch grundsätzlich wurde, passte ins Bild eines Trainers, der sich und seinen Klub in diesen Tagen unter Druck sieht.
Der Ärger über Osnabrück saß tief
Im Kern drehte sich sein Unmut um die Erlebnisse rund um das Spiel in Osnabrück. Wollitz schilderte die Abläufe dort als Zumutung und formulierte seine Kritik ungewöhnlich scharf. „Wie Energie Cottbus dort behandelt wurde, ist unglaublich“, sagte er, verbunden mit dem Vorwurf, dem Verein sei offenkundig mit Ablehnung begegnet worden. Dabei sprach er nicht bloß über das Geschehen während der 90 Minuten. Ihn störte nach eigener Darstellung das gesamte Drumherum, von der Ankunft bis zur Situation nach dem Abpfiff.
Besonders deutlich wurde er, als er fehlende Betreuung und den Umgang mit seinen Spielern ansprach. „Keine Ordner beim Ankommen, keine Ordner nach dem Spiel. Und dann werden Spieler auch noch beleidigt, das geht so nicht“, erklärte Wollitz. Damit machte er aus einer Niederlage längst mehr als nur einen sportlichen Rückschlag. Für ihn war es ein Abend, an dem Grenzen überschritten wurden. Und genau dieses Empfinden schleppte er hörbar mit in das Heimspiel gegen Essen.
Auch die Schiedsrichterfrage ließ ihn nicht los
Zu den organisatorischen Vorwürfen kam der Ärger über eine aus seiner Sicht spielentscheidende Szene. Ein nicht gegebener Elfmeter blieb für Wollitz ein Reizpunkt, und noch mehr regte ihn auf, dass diese Situation anschließend kaum eine größere Rolle gespielt habe. „Wenn in so einem Spiel ein klarer Elfmeter verwehrt wird, ist das das eine. Aber dass das danach nicht einmal Thema ist, verstehe ich nicht“, sagte er mit Blick auf die Leitung der Partie.
Wenig später schob er einen Satz nach, der seine Stimmungslage wohl am klarsten abbildete. „Warum sollte Energie Cottbus einen Elfmeter bekommen? Warum soll dieser Verein am Ende der Welt an der Polen-Grenze aufsteigen?“ Die Zuspitzung war bewusst gewählt. Sie zeigte, wie sehr sich bei ihm sportlicher Frust und das Gefühl mangelnder Wertschätzung inzwischen miteinander vermischt hatten.
Der Konflikt mit MagentaSport wurde öffentlich sichtbar
Brisant wurde der Auftritt auch wegen Wollitz’ Verhältnis zu MagentaSport. Der Trainer machte kein Geheimnis daraus, dass ihn sein Interview nach dem Spiel in Osnabrück nachhaltig verärgert hatte. Er habe sich dort, wie er selbst sagte, „lächerlich gemacht gefühlt“, nachdem er auf die mögliche Reaktion seiner Mannschaft angesprochen worden sei.
Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten. Beim Duell mit Rot-Weiss Essen verweigerte Wollitz die üblichen Gespräche vor und nach dem Spiel. Damit wurde aus Ärger ein demonstratives Zeichen. Gerade weil solche Interviews inzwischen fest zum Ablauf gehören, sorgte die Entscheidung für zusätzliche Aufmerksamkeit. Der Trainer wollte nicht nur Distanz schaffen, er wollte sie sichtbar machen.
Seine Mannschaft lieferte die lauteste Antwort des Abends
Was danach auf dem Platz passierte, verlieh dem gesamten Abend noch mehr Wucht. Cottbus lag mit 1:3 zurück, Essen hatte das Spiel in dieser Phase auf seiner Seite und vieles sprach dafür, dass die Gastgeber in einem Schlüsselspiel leer ausgehen würden. Dann drehte sich die Energie, im wörtlichen Sinn. Cottbus spielte aggressiver, mutiger, direkter. Die Angriffe wurden zwingender, die Partie offener, das Stadion trug die Mannschaft immer entschlossener nach vorne.
Aus einem Rückstand wurde eine Aufholjagd, aus einer Aufholjagd ein Rausch, am Ende stand ein 5:3, das in seiner Wucht fast sinnbildlich wirkte für diesen gesamten Abend.
Zwischen Wutrede und Fußballrausch
So erzählte dieses Topspiel am Ende zwei Geschichten zugleich. Die eine war die eines furiosen Comebacks, das Energie Cottbus nach einem 1:3 noch in einen 5:3-Sieg verwandelte. Die andere handelte von einem Trainer, der nicht länger bereit war, seinen Ärger hinter Floskeln zu verstecken. Gerade diese Mischung machte die Partie so besonders. Auf dem Platz herrschte Ekstase, daneben Reibung. Wollitz war nicht nur Beobachter dieses Spiels, sondern selbst ein Teil seiner Dramaturgie. Dass er bei der Pressekonferenz nach der Partie wieder mit einigen Medien sprach, änderte daran wenig. Seine Botschaft war längst gesetzt.
Am Ende blieb deshalb mehr zurück als nur das Ergebnis eines spektakulären Spieltags. Cottbus feierte einen sportlich herausragenden Abend, doch ebenso in Erinnerung bleiben dürfte ein Trainer, der offen wie selten seinen Frust formulierte und dessen Mannschaft kurz darauf genau die Antwort lieferte, die lauter kaum hätte ausfallen können.
