Beim TSV 1860 München läuft die Saison aus, doch hinter den Kulissen hat die Zukunft längst begonnen. Geschäftsführer Manfred Paula spricht offen über notwendige Veränderungen, personelle Einschnitte und eine neue sportliche Ausrichtung. Die Botschaft ist klar: Der aktuelle Kurs reicht nicht aus, um dauerhaft erfolgreich zu sein.
Fokus auf den Pokal – trotz sportlicher Bedeutungslosigkeit in der Liga
Für den TSV 1860 München geht es in der Liga nur noch um einen sauberen Abschluss. Die entscheidende Bühne wartet im Landespokalfinale gegen die Würzburger Kickers. Dort steht nicht nur ein Titel auf dem Spiel, sondern auch das Ticket für den lukrativen DFB-Pokal.
Paula fordert von der Mannschaft in dieser Phase vor allem mentale Stabilität. Man müsse die Spannung im Trainingsalltag hochhalten und gezielt auf die Spiele hinarbeiten. „Es wird darauf ankommen, dass wir den Spannungsbogen in den Trainingswochen hochhalten“, erklärt er und verweist auf die Bedeutung von Intensität und Emotionen.
Personelle Sorgen vor wichtigen Wochen
Vor dem anstehenden Duell mit dem SSV Ulm 1846 muss 1860 München auf einen wichtigen Defensivspieler verzichten. Eine Verletzung zwingt Philipp Maier zur Pause, was die ohnehin angespannte Personalsituation in der Abwehr weiter verschärft. Paula zeigt sich betroffen, betont aber gleichzeitig die vorhandenen Alternativen. „Was mich an der Stelle jedoch zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass Damjan Dordan gezeigt hat, dass er die Position gut ausfüllen kann. Insofern haben wir schon noch Möglichkeiten, für dieses Wochenende zu reagieren.“
Vertragsentscheidungen mit Signalwirkung
Während die laufende Saison noch nicht abgeschlossen ist, hat die sportliche Leitung bereits zentrale Weichen für die Zukunft gestellt. Mehrere Spieler werden den Verein verlassen, darunter Maximilian Wolfram, Morris Schröter und Kapitän Jesper Verlaat. Paula macht deutlich, dass diese Entscheidungen nicht leicht gefallen sind. „Das ist menschlich immer eine sehr schwere Entscheidung“, sagt er, fügt jedoch hinzu, dass sie notwendig seien, um sportlich voranzukommen.
Gleichzeitig gibt es auch positive Personalentwicklungen: Mit Torhüter Thomas Dähne und Mittelfeldspieler Tunay Deniz konnten wichtige Kräfte gehalten werden. Beide gelten intern als Bausteine für den geplanten Umbruch.
Analyse offenbart strukturelle Schwächen
Die Grundlage für die personellen Maßnahmen bildet eine umfassende sportliche Analyse. Diese habe gezeigt, dass selbst erfolgreiche Spiele nicht den eigenen Ansprüchen entsprochen hätten. Paula spricht von klaren Defiziten im Spielansatz. „Wir müssen bestimmte Dinge verändern“, betont er. Vor allem die Art und Weise, wie das Team Fußball spielt, soll sich künftig deutlich wandeln.
Neue Spielidee: Mehr Tempo, mehr Offensive
Im Zentrum der Neuausrichtung steht ein offensiverer Ansatz. Nach Ballgewinnen soll der erste Gedanke sofort nach vorne gehen. Sicherheitsorientiertes Spiel wird nur noch als Notlösung akzeptiert. Diese Philosophie hat direkte Auswirkungen auf die Kaderplanung. Gesucht werden Spieler, die schnell umschalten, mutig agieren und offensiv denken. Gleichzeitig legt der Klub großen Wert auf körperliche Belastbarkeit.
Verfügbarkeit wird zum entscheidenden Faktor
Neben spielerischen Qualitäten rückt ein Aspekt besonders in den Fokus: die Konstanz über eine gesamte Saison hinweg. Spieler, die häufig verletzt ausfallen, passen nicht mehr ins Anforderungsprofil. Paula formuliert es nüchtern: Wer nicht regelmäßig zur Verfügung steht, kann der Mannschaft nicht helfen. Diese Erkenntnis fließt maßgeblich in zukünftige Entscheidungen ein.
Hoffnungsträger und offene Personalfragen
Ein wichtiger Baustein für die kommende Spielzeit könnte Sigurd Haugen bleiben. Trotz Interesse anderer Klubs sieht Paula gute Chancen, dass der Angreifer weiterhin für die Löwen aufläuft. Parallel laufen Gespräche mit weiteren Spielern, deren Verträge auslaufen. Konkrete Zeitpläne nennt der Geschäftsführer bewusst nicht. Man wolle flexibel bleiben und nur dann informieren, wenn Einigungen erzielt seien.
Auch auf dem Transfermarkt sondiert der Klub bereits Optionen. Ziel ist es, möglichst früh einen Großteil des Kaders zusammenzustellen, auch wenn erfahrungsgemäß einige Transfers erst später realisiert werden.
Ein Sommer des Umbruchs
Die kommenden Monate markieren für den TSV 1860 München eine Phase des Wandels. Mehrere Abgänge, eine neue Spielidee und klare Anforderungen an den Kader deuten auf einen strukturellen Neustart hin. Ob dieser Kurs die erhoffte sportliche Stabilität bringt, wird sich erst in der nächsten Saison zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt: Stillstand ist für die Löwen keine Option mehr.
