Donnerstag, April 30, 2026
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Lemke stellt sich hinter Wollitz und fordert Klarheit von der Politik

Die Debatte um die Zukunft des Profifußballs in Cottbus hat eine neue Wendung genommen. Nachdem Trainer Claus-Dieter Wollitz mit einer emotionalen Kritik an der brandenburgischen Landespolitik für Aufsehen gesorgt hatte, stellt sich nun Vereinspräsident Sebastian Lemke demonstrativ hinter seinen Coach. Gleichzeitig signalisiert der Klub Gesprächsbereitschaft und sucht den Dialog mit der Politik.

Präsident stellt sich hinter Wollitz

Die deutlichen Worte von Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz hatten zuletzt für erhebliche Diskussionen gesorgt. Ende Februar hatte der Coach die ausbleibende Unterstützung aus der Landespolitik scharf kritisiert und die Situation rund um die seit längerem zugesagte Finanzierung für die Stadionsanierung mit ungewöhnlich klaren Worten kommentiert. Vereinspräsident Sebastian Lemke stellt nun in einem Interview mit der „Lausitzer Rundschau“ klar, dass er die grundlegende Kritik seines Trainers nachvollziehen kann.

Über einzelne Formulierungen lasse sich zwar streiten, inhaltlich halte er Wollitz’ Aussagen jedoch für berechtigt. Die Punkte, die der Trainer angesprochen habe, seien aus seiner Sicht korrekt gewesen. „Die Sachfakten, die Pele angesprochen hat, sind alle richtig“, so Lemke. Um Missverständnisse auszuräumen, habe er sogar persönlich Kontakt zur Landesregierung aufgenommen. Er habe den stellvertretenden Regierungssprecher Michael Schlick angerufen, um einige Aussagen richtigzustellen.

Streit über Einladungen und Förderantrag

Besonders eine Darstellung aus der Staatskanzlei stößt beim Vereinspräsidenten auf deutlichen Widerspruch. Dort war zuvor argumentiert worden, Politiker würden keine Spiele besuchen, weil sie vom Verein nicht eingeladen worden seien. Lemke widerspricht dieser Darstellung entschieden. Mehrere Einladungen nach Potsdam seien verschickt worden, erklärte er. Dass dennoch behauptet werde, solche Einladungen habe es nicht gegeben, bezeichnete er klar als unwahr.

Auch der Vorwurf, Energie Cottbus habe bislang keinen vollständigen Förderantrag für die Stadionmodernisierung eingereicht, sorgt beim Klubchef für Unverständnis. Nach seinen Angaben liege ein fertiger Antrag bereits seit geraumer Zeit in Potsdam vor. Weitere angeforderte Unterlagen seien anschließend zügig nachgereicht worden. Wenn nun der Eindruck entstehe, der Verein habe seine Aufgaben nicht erledigt, empfinde er das als ungerecht und „einfach nicht fair, wenn Unwahrheiten behauptet werden“, so Lemke weiter.

Persönliche Zweifel beim Präsidenten

Die öffentliche Auseinandersetzung hat Lemke nach eigenen Worten auch persönlich belastet. Zwischenzeitlich habe er sogar darüber nachgedacht, sein Amt niederzulegen. Dabei gesteht er, „dass ich den Gedanken hatte, ob ich zurücktreten soll“, räumte er ein. Nach gründlicher Überlegung habe er diesen Schritt jedoch verworfen. Seine Entscheidung begründet der Präsident mit seiner Verantwortung gegenüber Verein und Region. Vor einigen Jahren habe er sich bewusst entschieden, Energie Cottbus zu führen, weil ihm der Klub und die Menschen in der Lausitz am Herzen lägen.

Einladung zum Dialog mit der Landesregierung

Statt eines Rückzugs setzt der Verein nun auf Gespräche. Lemke bereitet nach eigenen Angaben ein Schreiben vor, mit dem die Landesregierung zu einem Austausch eingeladen werden soll. Der Arbeitstitel des Papiers formuliert bereits die zentrale Frage: „Will Brandenburg einen Zweitligisten haben?“ Sollte die Antwort darauf positiv ausfallen, müsse anschließend gemeinsam geklärt werden, welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssten. Sowohl der Verein als auch das Land seien in diesem Prozess gefordert.

Verein sieht auch eigene Verantwortung

Dabei betont Lemke, dass Energie Cottbus ebenfalls seinen Beitrag leisten müsse. Zunächst gehe es darum, sportlich erfolgreich zu sein und sich dauerhaft im Profifußball zu etablieren. Gleichzeitig müsse der Klub seine wirtschaftlichen Strukturen weiterentwickeln und zusätzliche Eigenmittel aufbringen.

Dennoch sieht der Präsident eine zentrale Voraussetzung für die langfristige Perspektive des Vereins: Unterstützung aus der Landespolitik. Ohne diese Hilfe werde es schwierig, die nötigen infrastrukturellen Schritte umzusetzen.

Studie soll Stadionzukunft klären

Parallel arbeitet der Verein an einer umfassenden Konzeptstudie zur Zukunft des Stadions. Diese soll untersuchen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um Profifußball in Cottbus langfristig möglich zu machen. Dabei steht nicht nur eine Modernisierung der bestehenden Anlage zur Diskussion. Auch alternative Optionen könnten geprüft werden. Ob und wann Ergebnisse vorliegen, hängt nach Angaben des Präsidenten stark vom weiteren Ablauf ab, etwa von Ausschreibungs- und Vergabeverfahren.

Emotional fühlt sich Lemke zwar stark mit dem aktuellen Standort im Eliaspark verbunden. Sollte eine Untersuchung jedoch zeigen, dass ein anderer Standort langfristig sinnvoller wäre, müsse man sich auch damit ernsthaft beschäftigen. Am Ende geht es für den Verein um mehr als nur ein Stadionprojekt. Die Entscheidung über Infrastruktur und Unterstützung aus der Politik könnte maßgeblich darüber bestimmen, welche Rolle Energie Cottbus künftig im deutschen Profifußball spielen kann.

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