Der Streit um die Zukunft der Regionalligen spitzt sich weiter zu. Kurz vor der entscheidenden Sitzung am heutigen Mittwochabend in der DFB-Zentrale wächst das Misstrauen zwischen den Verbänden. Während hinter den Kulissen mit harten Bandagen verhandelt wird, fürchten Vereine im Osten um ihre sportliche Perspektive.
Alte Konfliktlinien, neue Zuspitzung
Seit Jahren zieht sich die Diskussion über eine Reform der Regionalligen hin, nun droht sie erneut zu eskalieren. Im Zentrum steht der Vorwurf, einzelne Landesverbände würden taktisch auf Lösungen drängen, die für andere Regionen kaum tragbar sind. Besonders im Fokus stehen Vorschläge aus Bayern und dem norddeutschen Raum, die eine Neuaufteilung der bisherigen Nordost-Staffel ins Spiel bringen.
Aus Sicht vieler Ostvereine ist dieses Modell keine echte Verhandlungsoption. Halles Sportchef Daniel Meyer kritisierte scharf, dass entsprechende Ideen bewusst so formuliert seien, dass sie abgelehnt werden müssten. Er sprach von einem kalkulierten Druckmittel und davon, dass man ganz genau gewusst habe, „dass das für die Ostklubs keine Option sein kann“.
Sorge um die Zukunft ostdeutscher Vereine
Die mögliche Neuordnung hätte weitreichende Folgen. In einem Szenario, das intern diskutiert wird, würde die Region der ehemaligen DDR mit der Hauptstadt nur einen vergleichsweise kleinen Anteil an Startplätzen erhalten, obwohl dort zahlreiche traditionsreiche Klubs in der vierten Liga aktiv sind. Noch gravierender erscheint vielen die Perspektive bei den Aufstiegsregelungen.
Nach den aktuell kursierenden Entwürfen könnte der Aufstieg aus den Oberligen in Richtung Regionalliga für ostdeutsche Vereine deutlich eingeschränkt werden, während andere Regionen größere Kontingente erhielten, wie aus einem aktuellen Bericht der „Bild“ hervorgeht. Bei gleichzeitig mehreren Absteigern pro Staffel würde sich der Druck langfristig erhöhen. Die Befürchtung: Vereine aus dem Osten könnten schrittweise aus der Spielklasse verdrängt werden.
Meyer warnt eindringlich vor den Konsequenzen: „Eine Zustimmung unter diesen Bedingungen ist ausgeschlossen, denn das hätte eine stückweise Abschaffung des ambitionierten Fußballs im Osten zur Folge.“
Kompassmodell als möglicher Ausweg
Ganz anders wird das sogenannte Kompassmodell bewertet, das vom Deutschen Fußball-Bund als Alternative eingebracht wurde. Dieses Konzept setzt auf eine Neustrukturierung entlang der vier Himmelsrichtungen und garantiert allen bisherigen Regionalligen eine verlässliche Basis an Startplätzen. Zusätzlich sollen Absteiger aus der 3. Liga und Aufsteiger aus den Oberligen integriert werden.
Befürworter sehen darin eine ausgewogenere Lösung, die sportliche Chancen für alle Regionen wahrt. Auch Faninitiativen und zahlreiche Vereine haben sich positiv geäußert, da die Reform nicht nur mehr Planungssicherheit verspricht, sondern auch geografisch sinnvollere Staffeln schaffen könnte.
Kritik an taktischem Vorgehen
Der Eindruck, dass über Jahre hinweg mit strategischen Vorschlägen gespielt wurde, sitzt tief. Meyer spricht offen von einer Phase, in der „massiv getrickst“ worden sei. Nun wolle man sich nicht erneut in eine Position drängen lassen, die langfristig Nachteile bringe. Auch außerhalb des Ostens stößt die Idee einer Aufspaltung der Nordost-Region auf Skepsis. Lange Reisewege und zusätzliche Belastungen für Vereine werden als Argumente angeführt. Vertreter aus anderen Staffeln betonen, dass eine klare Orientierung an regionalen Strukturen nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoller wäre.
Entscheidungsdruck vor richtungsweisender Sitzung
Mit dem anstehenden Treffen der Arbeitsgruppe steigt der Druck auf alle Beteiligten. Die Regionalliga-Reform gilt als Schlüsselprojekt für die Zukunft des Unterbaus im deutschen Profifußball. Ob es gelingt, eine tragfähige Lösung zu finden, hängt nun davon ab, ob die Verbände ihre Positionen annähern können.
Die kommenden Wochen könnten somit nicht nur über eine neue Struktur entscheiden, sondern auch darüber, wie fair und ausgewogen der Wettbewerb in der vierten Liga künftig organisiert wird.
