Am Tivoli richtet sich der Blick vor dem Duell mit Hansa Rostock nicht nur auf den Rasen. Nach den massiven Schäden beim vergangenen Aufeinandertreffen bereitet sich Alemannia Aachen auf ein Spiel unter höchster Sicherheitsstufe vor. Die Verantwortlichen wollen diesmal früher eingreifen, besser schützen und verhindern, dass erneut eine teure Rechnung zurückbleibt.
Hochrisikospiel mit besonderer Vorgeschichte
Wenn Hansa Rostock am Samstag in Aachen antritt, reist nicht nur ein sportlich ambitionierter Gegner an. Auch abseits des Platzes ist die Partie für Alemannia Aachen mit erhöhter Anspannung verbunden. Das Duell gilt als Hochrisikospiel, die Sicherheitsvorkehrungen laufen entsprechend auf Hochtouren.
Der Grund liegt noch nicht lange zurück. Beim letzten Gastspiel der Rostocker am Tivoli hinterließen Teile des Gästeblocks deutliche Spuren. Sitzschalen wurden beschädigt, Sanitärbereiche in Mitleidenschaft gezogen, Wände und Toilettenanlagen beschmiert oder beklebt. Am Ende stand ein Schaden im mittleren fünfstelligen Bereich im Raum.
Neue Schutzmaßnahmen im Gästebereich
Damit sich solche Szenen nicht wiederholen, hat Alemannia vor dem erneuten Aufeinandertreffen reagiert. Geschäftsführer Dirk Kall kündigte an, dass erstmals Ordner mit besonderer Szenekenntnis aus dem Umfeld des Gegners eingesetzt werden sollen. Sie sollen vor allem die Sanitäranlagen im Gästebereich im Blick behalten. Kall erklärte dazu, es würden „erstmals szenekundige Ordner der gegnerischen Mannschaft die Sanitäranlagen sichern“, heißt es in einem Bericht der „Aachener Zeitung„. Damit setzt der Klub auf Personal, das die Strukturen und Verhaltensmuster der Gästefans besser einschätzen kann als gewöhnliche Sicherheitskräfte.
Schon beim Heimspiel gegen den MSV Duisburg hatte Alemannia weitere Vorkehrungen getroffen. Die Decken in den Toilettenbereichen wurden mit Metallgittern gesichert, um erneute Beschädigungen zu erschweren. Diese Maßnahme zeigte zumindest teilweise Wirkung. Die Decken blieben intakt.
Schäden trotz Vorbereitung
Ganz verhindern ließen sich Beschädigungen zuletzt dennoch nicht. Beim Duisburg-Spiel wurden nach Angaben des Vereins mehrere Toilettensitze herausgerissen. Auch im Zuschauerbereich gab es erneut Sachschäden. Mehrere Hundert Sitzschalen mussten ausgetauscht werden. Bis zum Rostock-Spiel sollen die betroffenen Plätze wieder instand gesetzt sein. Für den Klub bedeutet das allerdings nicht nur organisatorischen Aufwand, sondern auch eine finanzielle Belastung, die sich über die Saison hinweg summiert.
Gerade bei Spielen mit großem Gästeblock zeigt sich für Vereine ein wiederkehrendes Problem: Die Verantwortung für Schäden lässt sich im Nachgang oft schwer durchsetzen. Selbst wenn der Verursacherkreis klar vermutet wird, bleibt die juristische und finanzielle Abwicklung kompliziert.
Alemannia wartet weiter auf Entlastung
Auch die Rechnung aus dem vergangenen Rostock-Spiel ist für Alemannia weiterhin ein Ärgernis. Die Kosten wurden zwar weitergereicht, am Ende blieb der Verein jedoch auf der Belastung sitzen. Aus Sicht der Aachener ist das ein strukturelles Problem im Profifußball. Kall sieht vor allem beim Umgang mit Vandalismus zu wenig gemeinsame Linie zwischen den Vereinen. Bei Pyrotechnikstrafen gebe es inzwischen eher Gespräche über gemeinsame Lösungen. Bei Sachbeschädigungen sei das anders. Dort, so Kall sinngemäß, fehle häufig die Bereitschaft, sich auf eine Kostenregelung zu verständigen.
Der Geschäftsführer formulierte es deutlich: „Mit vielen Vereinen kann man eine Linie finden, sich gemeinsam mit den Pyrostrafen zu beschäftigen, die das Fanverhalten jedoch nicht verändert haben. Aber wenn es um die Begleichung von Schäden durch Vandalismus geht, die auch durch das großflächige Bekleben durch Abzeichen entstehen, gibt es wenig Konsens.“
Hoffnung auf Vermittlung durch den Verband
Alemannia Aachen hofft deshalb auf Unterstützung von übergeordneter Stelle. Der Deutsche Fußball-Bund könnte nach Ansicht des Vereins eine vermittelnde Rolle übernehmen, wenn es um Schäden geht, die im Zusammenhang mit Gästefans entstehen. Ob daraus langfristig verbindlichere Regelungen entstehen, bleibt offen. Für den Moment zählt am Tivoli vor allem der Samstag. Die Sicherheitsstufe ist hoch, die Aufmerksamkeit ebenfalls. Alemannia will sportlich bestehen und zugleich verhindern, dass nach dem Abpfiff wieder Handwerker statt Spieler im Mittelpunkt stehen.
Der Fall zeigt, wie sehr Hochrisikospiele Vereine inzwischen auch abseits des sportlichen Geschehens fordern. Es geht um Sicherheit, Verantwortung und Kosten, die am Ende nicht selten bei jenen landen, die ohnehin schon den organisatorischen Aufwand tragen. Für Alemannia wird das Rostock-Spiel damit auch zu einem Test, ob zusätzliche Kontrolle und bessere Vorbereitung tatsächlich Wirkung zeigen.
