Rot-Weiss Essen hat den Traum vom Aufstieg in einem dramatischen Saisonfinale gerettet. In Ulm brauchte RWE Geduld, Nerven und einen späten Moment der Entschlossenheit, ehe Ben Hüning tief in der Nachspielzeit zum Mann des Tages wurde. Während Essen jubelte, blieb dem MSV Duisburg nur der bittere Blick auf Rang vier.
Essen erzwingt sein Endspiel
Es war ein Nachmittag, an dem Rot-Weiss Essen früh zeigte, worum es ging. Die Mannschaft von Uwe Koschinat trat beim bereits abgestiegenen SSV Ulm mit großer Energie auf, suchte sofort den Weg nach vorne und belohnte sich schnell. Nach einem langen Zuspiel öffnete sich auf der rechten Seite der Raum, Jaka Cuber Potočnik behielt im Strafraum den Überblick und legte quer. Torben Müsel nutzte die Gelegenheit eiskalt und brachte RWE früh in Führung (0:1).
Der Treffer wirkte zunächst wie ein Befreiungsschlag. Essen kontrollierte das Spiel, presste hoch und drückte Ulm tief in die eigene Hälfte. Mehrfach lag der zweite Treffer in der Luft, doch SSV-Torhüter Christian Ortag entwickelte sich schon in der Anfangsphase zum großen Hindernis. Er entschärfte Distanzschüsse, Kopfbälle und Abschlüsse aus kurzer Entfernung, während Essen immer wieder anlief.
Ulm nutzt Essens Fehler gnadenlos
So dominant RWE auftrat, so gefährlich wurde die eigene Nachlässigkeit. Ulm brauchte kaum Chancen, um das Spiel zu drehen. Nach einem Konter kam Lucas Röser im Essener Strafraum zu Fall, anschließend verwandelte er den fälligen Strafstoß sicher (1:1). Für RWE war es erneut ein bitterer Gegentreffer vom Punkt, ein Muster, das die Mannschaft in dieser Saison schon häufiger begleitet hatte.
Nur wenig später wurde es noch schmerzhafter. Ein missglückter Rückpass brachte Dennis Chessa ins Spiel. Der Ulmer Angreifer reagierte blitzschnell, umkurvte Torhüter Jakob Golz und schob zur Führung für die Gastgeber ein (2:1). Aus Essener Sicht war die Partie plötzlich gekippt, obwohl RWE über weite Strecken das aktivere Team geblieben war. Doch Essen brach nicht auseinander. Im Gegenteil.
Müsel antwortet mit Wucht
Kurz vor der Pause fand RWE zurück. Wieder war es Torben Müsel, der Verantwortung übernahm. Aus der Distanz fasste er sich ein Herz und jagte den Ball mit großer Wucht an den Innenpfosten und ins Tor (2:2). Der Ausgleich kam zur richtigen Zeit, weil er verhinderte, dass die Essener mit einem schweren Rückstand in die Kabine gingen.
Müsel hätte sogar noch vor dem Seitenwechsel nachlegen können. Nach einer Ecke setzte er einen Kopfball stark in Richtung Winkel, doch erneut war Ortag zur Stelle. Der Ulmer Schlussmann hielt seine Mannschaft im Spiel und brachte RWE zunehmend an den Rand der Verzweiflung.
Ortag hält alles, bis Hüning kommt
Auch nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Essen bestimmte die Richtung, Ulm verteidigte leidenschaftlich, und Ortag blieb der auffälligste Spieler der Gastgeber. Gegen Kaito Mizuta, Potočnik und später Dickson Abiama zeigte er starke Reaktionen. Für RWE wurde jede vergebene Chance zur Nervenprobe, zumal parallel der Blick auf das Spiel des MSV Duisburg immer wichtiger wurde.
Als Ulm nach einer Gelb-Roten Karte in Unterzahl geriet, nahm der Druck weiter zu. Essen warf alles nach vorne, spielte fast ausschließlich auf das Ulmer Tor und kam zu weiteren Möglichkeiten. Müsel traf noch einmal den Innenpfosten. Die Minuten liefen davon. Dann kam die Szene, die diese Saison für RWE verändern könnte. Nach einer Ecke von Mizuta wurde der Ball im Ulmer Strafraum mehrfach geblockt. Tobias Kraulich kam zunächst nicht durch, doch Ben Hüning setzte nach und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie (2:3). Der Essener Block explodierte.
Koschinat spürt die Essener Wucht
Für Trainer Uwe Koschinat war der späte Siegtreffer auch ein Beweis für den Glauben seiner Mannschaft. Er hob hervor, dass sein Team bis zum Schluss an die eigene Chance geglaubt habe. Mit Blick auf die kommenden Relegationsspiele kündigte er sinngemäß an, dass die Energie rund um RWE kaum zu bremsen sein werde. In Essen könne nun einiges losbrechen.
Der Sieg hatte unmittelbare Folgen für die Tabelle. Weil der MSV Duisburg zeitgleich gegen Viktoria Köln nicht über ein Remis hinauskam, zog Rot-Weiss Essen am letzten Spieltag noch vorbei und sicherte sich den Relegationsplatz. Für Duisburg endete der Nachmittag dagegen mit einer maximal bitteren Enttäuschung.
Der Gegner entscheidet sich am Sonntag
In der Relegation trifft RWE nun auf den Tabellen-16. der 2. Bundesliga. Wer das sein wird, klärt sich erst am letzten Zweitliga-Spieltag. Mehrere Vereine kommen noch infrage, darunter Greuther Fürth, Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf und Eintracht Braunschweig. Auch Dynamo Dresden ist rechnerisch noch nicht vollständig aus dem Rennen.
Das Hinspiel steigt in Essen, wenige Tage später folgt das Rückspiel beim Zweitliga-Vertreter. Für RWE bedeutet das, dass aus einem dramatisch geretteten Traum nun eine konkrete Chance geworden ist. Die Mannschaft hat in Ulm nicht nur ein Spiel gewonnen, sondern ein Signal gesendet: Diese Saison ist noch nicht vorbei.
