Claus-Dieter „Pele“ Wollitz redet nicht lange um den heißen Brei, weder über die Grenzen von Energie Cottbus noch über das, was er in Stadien nicht mehr hinnehmen will. Im Zentrum des Interviews steht seine Forderung nach einem harten Schnitt bei rassistischen Vorfällen, und seine Idee, Schiedsrichter mit einem „VAR light“ zu entlasten.
Aufstieg ja, Bundesliga eher als Fernziel
Energie steht sportlich weit vorn, trotzdem bremst Wollitz die Erwartungshaltung. „Gegen die Bundesliga würde sich hier keiner wehren“, sagt er in einem Interview mit der „WELT„, schiebt aber direkt hinterher, das sei „ganz weit weg“. Sein realistisches Ziel klingt bodenständiger: „Wir sind dankbar, wenn wir ein konstanter Zweitligist werden könnten.“ Als Vorbild nennt er Greuther Fürth.
Warum Cottbus strukturell hinterherläuft
Wollitz macht deutlich, dass es aus seiner Sicht nicht nur um Punkte, sondern um Rahmenbedingungen geht. „Ohne die richtigen Rahmenbedingungen wirst du dich nicht in der Bundesliga halten können“, sagt er. In Cottbus sei das „leider kompliziert“, weil aus seiner Sicht über Jahre zu wenig passiert sei.
Er kritisiert, „das Land Brandenburg hat diesen Verein, diesen Standort viele Jahre stiefmütterlich behandelt“, und verweist auf das Stadion: „Wir haben in allen vier Himmelsrichtungen unterschiedliche Tribünen.“ Romantisch, ja, aber für ihn nicht mehr passend. Er zählt auf, was fehlt oder nicht mitgewachsen ist: Trainingsplätze, Parkflächen, eine bessere Anbindung, Infrastruktur insgesamt.
„Kleines gallisches Dorf“ und Talente als Strategie
Sollte es sportlich irgendwann nach oben gehen, sieht Wollitz eine Chance nur über ein klares Selbstbild: „Unsere Chance bei einem Aufstieg wäre es, sich wieder als das kleine gallische Dorf zu verstehen.“ Statt Geldschlacht: „über Nischen“ arbeiten, Talente entwickeln, als „Talentschmiede“ auftreten. Auf Nachfrage der „WELT“, ob das bedeutet, Spieler auszubilden und weiterzuverkaufen, sagt er knapp: „Genau.“ Und erinnert an frühere Beispiele wie Nils Petersen.
Ostklubs, Wucht der Fans, und ein Problem mit der Stimmung
Bei der Lage im Osten beschreibt er einen Widerspruch. Rostock habe „permanent dieses geile Stadion ausverkauft“, Dresden müsse „dauerhaft in der Bundesliga sein“. Gleichzeitig beobachtet er: Läuft es sportlich nicht, werde „im Umfeld alles sehr, sehr negativ gesehen“, Verantwortliche würden zu schnell ausgetauscht, Kontinuität gehe verloren. Dann wird er sehr deutlich: „Was mich nicht nur im Osten so richtig ankotzt, ist Rassismus in den Stadien.“
Rassismus: Für Wollitz gibt es nur ein Statement
Auslöser im Interview ist der Vorfall um Justin Butler in München. Wollitz schildert, wie weit er damals gehen wollte: „Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass wir das Spiel als Verlierer anerkennen würden.“ Es gehe nicht nur um einen Spieler, betont er, denn „wir haben sieben dunkelhäutige Spieler“, deshalb sei der Angriff „gegen uns alle“ gerichtet. Für ihn reicht Entschuldigung nicht als Antwort, auch wenn er die Reaktion von 1860 erwähnt: Der Präsident sei zu ihm gekommen und habe sich entschuldigt, „das war sehr anständig“. Aber dann folgt sein Kernsatz: „Meiner Meinung nach gibt es nur ein Statement.“
„Dann gehen wir rein“, egal wie hoch der Preis ist
Dieses Statement beschreibt Wollitz ohne Spielraum: „Dass bei einem solchen Vorfall, egal wo in Deutschland, beide Mannschaften in die Kabine gehen und nicht mehr weiterspielen.“ Damit „jeder kapiert, dass jetzt Schluss mit Rassismus in den Stadien ist“. Er erzählt, was er am Morgen danach zur Mannschaft gesagt hat, als klare Anweisung für die Zukunft: „Jungs, das nächste Mal, wenn so etwas passiert, dann spielen wir nicht weiter, dann gehen wir rein, egal welcher Spielstand, egal welche Tabellensituation.“ Und auch Sanktionen will er nicht als Ausrede gelten lassen: „Und auch egal, ob wir dann eine Strafe bekommen. Ich werde das komplett auf meine Kappe nehmen.“
Schiedsrichterdebatte: Wollitz will einen „VAR light“
Auch beim Thema Schiedsrichter wird Wollitz grundsätzlich. Der Verband müsse überlegen, ob das System mit „dem immens großen Druck“ überhaupt sinnvoll sei. Die Unparteiischen würden „derart eingeengt“, es bleibe zu wenig Raum für „Fingerspitzengefühl“. Seine Lösung: „eine Art ‘VAR light’“, bei dem der vierte Offizielle „zumindest das TV-Bild mit Zeitlupen hat“. Für ihn wäre das die bessere Nutzung der Rolle, statt „90 Minuten lang die Trainer zu beobachten“, ob sie aus der Zone treten, mitzuschreiben, was gesagt wird, oder Pyro zu protokollieren. Und der Grundsatz soll bleiben: „Wenn das TV-Bild nicht eindeutig ist, dann bleibt die Entscheidung auf dem Feld bestehen.“
Ein Satz, der hängen bleibt
Wollitz’ Interview wirkt wie eine Mischung aus Realismus und Prinzipientreue. Keine Luftschlösser beim Aufstieg, klare Forderungen bei Rassismus, und ein pragmatischer Vorschlag für weniger Streit um Schiedsrichter. Ob sich das durchsetzt, ist offen, aber seine Linie ist es nicht.
