Start Vereine MSV Duisburg Historische Wahl beim MSV: Erstmals zieht eine Frau in den Vorstand ein

Historische Wahl beim MSV: Erstmals zieht eine Frau in den Vorstand ein

Der MSV Duisburg stellt sich an seiner Spitze neu auf und schreibt dabei Vereinsgeschichte. Mit Veronika Henschel-Grontzki zieht erstmals eine Frau in den Vorstand der Zebras ein. Die Mitglieder entschieden sich deutlich für das „Team Verantwortung“, das sportlichen Aufstieg, strukturelle Veränderungen und ein starkes Wachstum der Vereinsgemeinschaft miteinander verbinden will.

Deutliche Entscheidung in der MSV-Arena

Nach dem angekündigten Rückzug des bisherigen Vereinschefs Christian Stiefelhagen war die Führungsfrage beim MSV Duisburg mehrere Monate offen. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstagabend fiel nun die Entscheidung über die künftige Vereinsspitze.

Zwei vollständige Teams stellten sich in der Arena zur Wahl. Bereits im ersten Durchgang erhielt das „Team Verantwortung“ eine klare Mehrheit. Rund sieben von zehn abgegebenen Stimmen entfielen auf die Gruppe, die den Verein in den kommenden vier Jahren führen soll. Knapp 830 stimmberechtigte Mitglieder beteiligten sich an der Abstimmung.

Broska übernimmt mit erfahrenem Team

Angeführt wird der neue Vorstand von Dirk Broska. Der Manager der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft und Steuerberater ist dem MSV bereits seit vielen Jahren in unterschiedlichen Funktionen verbunden. Zum gewählten Führungsteam gehören außerdem der frühere Logistikgeschäftsführer Dirk Recke, Steuerberater Ralf Raddue, Unternehmer Thorsten Immel und Hoteldirektorin Veronika Henschel-Grontzki. Auch Recke kennt die Vereinsstrukturen aus seiner ehrenamtlichen Arbeit im Verwaltungs- und Aufsichtsrat.

Die neue Führung setzt damit auf eine Mischung aus wirtschaftlicher Erfahrung, langjähriger Vereinsarbeit und enger persönlicher Verbundenheit mit den Zebras.

Henschel-Grontzki schreibt Vereinsgeschichte

Besondere Bedeutung hat die Wahl von Veronika Henschel-Grontzki. Sie ist die erste Frau, die dem Vorstand des MSV Duisburg angehört. Die Hoteldirektorin besucht nach eigenen Angaben seit rund dreieinhalb Jahrzehnten die Spiele des Vereins. Zudem leitet sie das Hotel, in dem die Profimannschaft regelmäßig untergebracht ist. Im Vorstand möchte sie sich vor allem für Kinder, Jugendliche und Frauen engagieren.

Unsere Mitglieder und die Tradition des Vereins stehen für mich im Mittelpunkt“, so Henschel-Grontzki nach ihrer Wahl. Ihre Berufung ist mehr als eine personelle Premiere. Sie steht zugleich für den Anspruch des neuen Vorstands, bislang weniger stark vertretene Gruppen enger an den Verein zu binden.

Rückkehr in die 2. Bundesliga bleibt das große Ziel

Sportlich richtet sich der Blick langfristig nach oben. Der neue Vorstand will die Männermannschaft wieder in der 2. Bundesliga etablieren. Dabei soll der Weg nicht allein über kurzfristige Erfolge führen, sondern durch stabilere Strukturen im gesamten Verein abgesichert werden. Auch die Frauenmannschaft spielt in den Planungen eine wichtige Rolle. Sie soll sich dauerhaft in der 3. Liga behaupten. Gleichzeitig möchte die neue Führung das Nachwuchsleistungszentrum weiterentwickeln und jungen Talenten bessere Perspektiven beim MSV bieten.

Damit verbindet das Team den sportlichen Anspruch der Profiabteilung mit einer breiteren Förderung des Nachwuchs- und Frauenfußballs.

Mehr Mitglieder und neue Angebote für Familien

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Wachstum der Vereinsgemeinschaft. Mittelfristig soll der MSV auf rund 15.000 Mitglieder kommen. Um dieses Ziel zu erreichen, möchte der Vorstand gezielt Frauen, Jugendliche und Familien ansprechen. Geplant sind neue Angebote sowie eine engere Zusammenarbeit mit Schulen und Sportvereinen in Duisburg und der Region.

Auch organisatorisch stehen Veränderungen im Raum. Die Geschäftsstelle soll langfristig näher an den sportlichen Bereich rücken und an das Trainingszentrum in Meiderich verlegt werden. Davon verspricht sich die neue Führung kürzere Wege und eine bessere Verzahnung der verschiedenen Vereinsbereiche.

„Team Paradis“ setzt sich nicht durch

Unterlegen war das „Team Paradis“ um den selbstständigen IT-Berater Sebastian Paradis. Zu seiner Gruppe gehörten außerdem der Sparkassenbetriebswirt Jochen Taczkowski, Intensivkrankenschwester Diana Leenen sowie der Versicherungs- und Finanzkaufmann Hrvoje „Vlao“ Vlaovic. Das Team hatte vor allem für Kontinuität und Stabilität geworben. Im Zentrum seines Programms standen die Stärkung des Gesamtvereins, die Förderung des Nachwuchs-, Frauen- und Breitensports sowie eine größere Wertschätzung des Ehrenamts. Auch die Mitglieder sollten stärker in wichtige Entwicklungen eingebunden werden. Für eine Mehrheit reichten diese Schwerpunkte jedoch nicht aus.

Viele Ziele, unterschiedliche Prioritäten

In zentralen Fragen lagen beide Bewerbergruppen nicht weit auseinander. Sowohl das „Team Verantwortung“ als auch das „Team Paradis“ bekannten sich zur 50+1-Regel, wollten die Mitgliederbasis vergrößern und nannten die Rückkehr in die 2. Bundesliga als langfristiges sportliches Ziel. Die Unterschiede lagen vor allem in der Gewichtung. Während das unterlegene Team stärker auf Kontinuität und die Entwicklung aller Vereinsabteilungen setzte, warb das siegreiche Bündnis offensiver für Wachstum, organisatorische Reformen und neue Zielgruppen.

Mit dem klaren Votum haben die Mitglieder nun entschieden, welchem Kurs sie mehr Vertrauen schenken. Der neue Vorstand übernimmt einen traditionsreichen Verein, der sportlich ambitioniert bleiben und gleichzeitig seine gesellschaftliche Basis verbreitern möchte. Ob daraus nachhaltiger Erfolg entsteht, wird davon abhängen, wie schnell aus den angekündigten Plänen konkrete Veränderungen werden.

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